Theorien der Säuren und Basen

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Theorie der ionischen Dissoziation von Arrhenius

Arrhenius postulierte die Existenz von positiven und negativen Ionen in wässrigen Lösungen von Säuren, Laugen und Salzen (Elektrolyten), um deren elektrische Leitfähigkeit zu erklären.

  • Säure (Acid): Eine elektrisch neutrale Substanz, die in wässriger Lösung in H⁺-Ionen (Protonen) und negative Ionen dissoziiert.
  • Base: Eine elektrisch neutrale Substanz, die in wässriger Lösung in OH⁻-Ionen (Hydroxyl- oder Hydroxidionen) und positive Ionen dissoziiert.

Nach dieser Theorie ist die Neutralisationsreaktion ein Prozess, bei dem zwischen einer Säure und einer Base Salz und Wasser entstehen.

Vorteile und Einschränkungen

  • Vorteile: Definition der Basizität; Einführung des Konzepts des Dissoziationsgrades, was einen Vergleich zwischen der Stärke einer Säure und einer Base ermöglicht. Ein höherer Wert entspricht einer stark dissoziierten Substanz (Säure oder Base) und liefert eine quantitative Vorstellung.
  • Einschränkungen: Die Definition ist auf wässrige Lösungen begrenzt. OH⁻-Ionen gelten als allein verantwortlich für die Basizität, was jedoch nicht erklärt, warum Stoffe wie Ammoniak (NH₃), Carbonat-Ionen (CO₃²⁻) oder Stickoxide basisch reagieren, obwohl ihnen diese Ionen fehlen. Zudem ist das H⁺-Ion sehr klein; in Lösung reagiert es mit dem Dipol des Wassers und bildet das Hydroniumion: H⁺ + H₂O → H₃O⁺.

Brønsted-Lowry-Theorie der Säure-Base-Paare

Diese Theorie betrachtet Säuren und Basen nicht isoliert, sondern in Wechselwirkung miteinander. Reaktionen werden als Protonen-Transfer-Reaktionen aufgefasst.

  • Säure (Acid): Ein Stoff (Molekül oder Ion), der ein Proton (H⁺) an einen anderen Stoff abgeben kann. Beispiel: HCl + H₂O → Cl⁻ + H₃O⁺.
  • Base: Ein Stoff (Molekül oder Ion), der ein Proton (H⁺) von einem anderen Stoff aufnehmen kann. Beispiel: NH₃ + H₂O → NH₄⁺ + OH⁻ (Ammonium-Ion).

Die Konzepte von Säuren und Basen sind komplementär. Eine Säure fungiert nur als Protonendonator in Anwesenheit einer Substanz, die Protonen akzeptieren kann (Base). Umgekehrt kann eine Base nur Protonen akzeptieren, wenn sie mit einer Säure reagiert. Die Neutralisationsreaktion ist der Transfer eines Protons von einer Säure zu einer Base.

Konjugierte Säure-Base-Paare

Ein konjugiertes Paar besteht aus einer Säure und ihrer konjugierten Base oder einer Base und ihrer konjugierten Säure. Die Paare gehen durch Gewinn oder Verlust eines Protons ineinander über: Säure + Base ⇌ konjugierte Base + konjugierte Säure.

  • HA + B ⇌ A⁻ + BH⁺
  • A⁻ ist die konjugierte Base der Säure HA (Paar: HA/A⁻).
  • BH⁺ ist die konjugierte Säure der Base B (Paar: B/BH⁺).

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Stärke von Säuren und Basen

Die Tendenz, Protonen abzugeben oder aufzunehmen, ist relativ und hängt vom Reaktionspartner ab, wobei meist Wasser als Referenz dient.

Starke und schwache Säuren

  • Starke Säuren: Diese Stoffe sind in Wasser vollständig dissoziiert (α ≈ 1). Aufgrund ihrer starken Neigung, Protonen an eine Base abzugeben, findet eine irreversible Reaktion statt: HA + H₂O → A⁻ + H₃O⁺ (schwache konjugierte Base).
  • Schwache Säuren: Diese Stoffe dissoziieren in Wasser nur teilweise (α ≪ 1). Je höher der Kₐ-Wert, desto weiter liegt das Gleichgewicht auf der rechten Seite (Dissoziation), desto höher ist die Konzentration der Hydroniumionen (H₃O⁺) und die Säurestärke, während der pH-Wert niedriger ist. (Beispiel hier).

Starke und schwache Basen

  • Starke Basen: Vollständig ionisierte Substanzen (α ≈ 1). Reaktion: B + H₂O → BH⁺ + OH⁻ (schwache konjugierte Säure).
  • Schwache Basen: Teilweise ionisierte Substanzen (α ≪ 1). (Beispiel hier). Je höher der K_b-Wert, desto mehr Ionen werden gebildet, desto höher ist die Konzentration an OH⁻-Ionen, der Dissoziationsgrad und die Basenstärke, was zu einem höheren pH-Wert führt.

Der Dissoziationsgrad α ist definiert als: α = dissoziierte Menge / Anfangsmenge. Wenn Kₐ oder K_b klein sind (< 10⁻³) und die Lösung nicht sehr verdünnt ist, kann der dissoziierte Teil als vernachlässigbar betrachtet werden (1 - α ≈ 1).

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Neutralisationsreaktionen

  • Überschuss an Säure: Die Base reagiert mit einem Teil der Säure, sodass Säure übrig bleibt. Die resultierende Lösung ist sauer (pH < 7).
  • Überschuss an Base: Die Säure reagiert mit einem Teil der Base, sodass ein Basenüberschuss entsteht. Die Lösung ist basisch (pH > 7).
  • Stöchiometrische Mengen: Säure und Base reagieren vollständig miteinander, ohne dass ein Überschuss bleibt. In diesem Fall ist die Neutralisation vollständig. Der pH-Wert der Lösung hängt vom Verhältnis der Hydronium- zu den Hydroxyl-Ionen ab.

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