Thomas Demand: Realität und Rekonstruktion in der Fotografie
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Es handelt sich um die Aufnahme einer plastischen Nachbildung einer fotografischen Darstellung der Realität. Die Bilder zeigen oft eine gewählte Art von Räumen und Flächen in drei Dimensionen, die stets nach dem echten Bild suchen. Diese Werke stehen häufig in einem historischen und politischen Kontext.
In der Ausstellung finden wir ein Werk, das die Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkriegs in Kufstein, Österreich, wiedergibt. Es erscheint zudem ein viertes Kind mit einem Spielzeughund, das an eine persönliche Erinnerung des Künstlers erinnert.
Eines der zentralen Werke dieser Ausstellung ist "Photo Booth" (Bild 1). Thomas Demand rekonstruiert hier einen Raum im ehemaligen Gefängnis von Gera. Es handelt sich um das Zimmer, in dem die Gefangenen täglich fotografiert wurden – ausgestattet mit einer fest installierten Kamera, einem Stuhl, einer weißen Wand als Kulisse und einem Vorhang mit floralen Motiven.
Jahre nach der Schließung des Gefängnisses wurde eine Untersuchung über alarmierende Leukämiefälle bei ehemaligen Häftlingen eingeleitet. Dabei wurde festgestellt, dass sich im Nebenraum ein Röntgengerät befand, das ohne Objektiv betrieben wurde und wahrscheinlich jahrelang Strahlung aussendete. Allerdings konnte keine offizielle Bestätigung dieser Tatsachen erfolgen.
Die Aufmerksamkeit wird auf diese Arbeit gelenkt, da sie eine sehr direkte Kritik an den Geschehnissen übt. Die Ereignisse wurden nicht vergessen, sondern erreichen uns auf künstlerischem Weg und ermöglichen eine kritische Sichtweise. Ich glaube, es geht um die perfekte Übertragung der Wirklichkeit auf das Papier sowie um die Verbindung zwischen Perfektion und der Einfachheit der ausgewählten Szenarien. Demand zeigt, dass nur Symbole dargestellt werden; den Rest müssen wir offen interpretieren. Die Werke sind wortwörtlich und doch stimmungsvoll in dem, was bleibt.
Thomas Demand erklärt in einem Interview, veröffentlicht auf www.elcultural.es: "Ich nähere mich der Fotografie aus einem intellektuellen Blickwinkel: Ist das, was wir sehen und wie wir es sehen lassen, ein Teil unseres Lebens?"
- Ich habe mich für diese Ausstellung von Thomas Demand entschieden, weil mir gefällt, was die Werke auszudrücken versuchen. Die Intention und die verwendeten Elemente sind abwechslungsreich und originell. Die plastische Umsetzung ist an sich sehr interessant und präzise vorbereitet. Mich beeindruckte sein kreativer Prozess und dessen spätere Umsetzung. Die Beleuchtung in den Fotografien ist sehr sorgfältig gewählt. Es sind sehr beschreibende, heitere Bilder, die trotz einer gewissen Kälte eine Aura des Geheimnisvollen ausstrahlen. Jedes Bild erzählt eine Geschichte; es ist nicht nur eine Abbildung, sondern wir müssen ergründen, was der Künstler mit unterschiedlicher Tiefe auszudrücken versucht.
- Diese Arbeit hat mich dazu gezwungen, darüber nachzudenken, was wir a priori zu sehen glauben. Er hat mich gelehrt, sorgfältig zu beobachten und kritisch zu hinterfragen.