Tourismus und Handel in Spanien: Wirtschaft, Raum und Gesellschaft
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Der spanische Dienstleistungssektor ist sehr wettbewerbsintensiv. Der Verkehr von Gütern und Personen, die Verteilung der Infrastruktur sowie die regionalen Ungleichgewichte zwischen städtischen, wirtschaftlich starken und touristisch geprägten Gebieten prägen die Entwicklung des Landes. Die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur (Karten) ist dabei größer als oft angenommen.
Ein strategisches Ziel der Infrastrukturplanung ist es, insbesondere die wirtschaftlichen Funktionen der Flughäfen zu stärken. Zudem wurde der Dienstleistungssektor liberalisiert, was Auswirkungen auf Preise und Angebot hat.
1. Telekommunikation
Der Ausbau der Telekommunikation ist für die wirtschaftliche Entwicklung unverzichtbar. Er ermöglicht den sofortigen Informationsaustausch und hat eine wichtige soziale Dimension im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung. Die Telekommunikationsbranche Spaniens, insbesondere das Unternehmen Telefónica, hat ein sehr starkes Wachstum erlebt.
Die räumliche Verteilung der Telefonanschlüsse folgt einem hierarchischen Modell: Die Provinzen sind mit den Hauptstädten verbunden, die wiederum die großen Metropolregionen versorgen. Madrid ist als zentraler Knotenpunkt des Netzes besonders hervorzuheben.
2. Die Tourismusräume
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Spaniens. Seit den 1960er-Jahren hat sich das Land zu einer der großen touristischen Mächte der Welt entwickelt. Der Tourismus ist damit zu einer zentralen Einkommensquelle und einem bedeutenden Wirtschaftszweig geworden.
Der spanische Tourismus erlebte in den letzten Jahrzehnten sowohl externe als auch interne Einflussfaktoren:
- Externe Faktoren:
- Das wirtschaftliche Wachstum Europas nach dem Zweiten Weltkrieg und die Zunahme der Mittelschicht ermöglichten Reisen für breite Bevölkerungsschichten.
- Gesetzlich bezahlter Urlaub begünstigte die Reisetätigkeit.
- Verbesserte Verkehrsmittel senkten die Reisekosten, insbesondere für Flugzeug, Eisenbahn und Bus.
- Interne Faktoren:
- Die geografische Nähe zu den europäischen Herkunftsmärkten.
- Klimatische Bedingungen und attraktive Landschaften.
- Kulturelle Anziehungskraft.
- Low-Cost-Angebote und günstige Preise.
- Staatliche Förderung und Erleichterungen für touristische Aktivitäten.
- Das Entstehen großer Reiseveranstalter und Reiseketten.
- Die Diversifizierung des Angebots und die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte.
- Eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur.
- Politische Instabilität in anderen Mittelmeerländern, die Touristen nach Spanien lenkte.
2.1 Das traditionelle Tourismusmodell
Das traditionelle Tourismusmodell war ab den 1960er-Jahren durch ein reichliches Angebot gekennzeichnet, das eine breite Kundschaft mit mittlerem Einkommen ansprach. Kennzeichnend war auch die starke Abhängigkeit von Reiseveranstaltern. Dadurch flossen jedoch nur geringe Gesamtausgaben pro Tourist ins Land.
Das Angebot
Das Angebot umfasst Beherbergungsbetriebe, Gastronomie, Unterhaltung und Erholung. Es konzentriert sich vor allem an der Mittelmeerküste und auf den Inseln. Hotels und andere Unterkünfte stellen den größten Teil der Infrastruktur, während außerhalb der Hotellerie über 10 Millionen Betten angeboten werden. Zum Gastronomieangebot gehören Restaurants, Cafeterias und Bars. Im Freizeitbereich sind vor allem Sportanlagen, Erholungsparks und Wasserparks hervorzuheben.
Die Nachfrage
Die Nachfrage wurde anfangs vor allem vom ausländischen Tourismus dominiert. Heute spielt die nationale Nachfrage eine herausragende Rolle.
- a) Die internationale Nachfrage wächst seit Ende der 1950er-Jahre stark. Mit dem Beitritt Spaniens zur EU im Jahr 1986 stieg die Zahl der Besucher deutlich an. Sie kommen überwiegend aus Westeuropa.
- b) Die nationale Nachfrage steigt seit den 1960er-Jahren. Sie stammt vor allem aus den Industriegebieten und weist eine geringere Polarisierung zwischen Küste und Binnenland auf.
- c) Die übermäßige Saisonalität der Nachfrage ist ein erhebliches Problem. Der größte Teil der Nachfrage konzentriert sich auf wenige Monate, vor allem auf den Sommer (August). Dies führt zu einer übermäßigen Nutzung der saisonalen Infrastruktur, zu Marktsättigung, Qualitätsverlust und zu zusätzlichen Umweltproblemen.
3. Die Krise des traditionellen Tourismusmodells und alternativer Tourismus
3.1 Die Ursachen der Krise
Obwohl der Tourismus weiterhin eine große Zahl an Einnahmen und Besuchern erzielt, lässt sich seit einiger Zeit eine Erschöpfung des traditionellen touristischen Modells beobachten. Die wichtigsten Ursachen sind:
- a) Die Dominanz des Massentourismus auf niedrigem Niveau.
- b) Das touristische Angebot sieht sich zunehmend mit Problemen wie steigenden Preisen konfrontiert.
- c) Die Abhängigkeit von internationalen Reiseveranstaltern.
- d) Die Verschlechterung der Umwelt und der Landschaft.
3.2 Alternativer Tourismus und neue Tourismuspolitik
Diese Entwicklungen erfordern eine Erneuerung und Umstrukturierung des Sektors auf Basis einer Politik der Raumordnung. Die Planung muss auf allen Ebenen erfolgen, von der nationalen bis zur lokalen Ebene.
Die Tourismuspolitik verfolgt folgende Ziele:
- a) Die Qualität im Tourismus verbessern.
- b) Das Angebot diversifizieren und neue Tourismusformen fördern: Aktiv-, Kultur-, Land-, Öko- und Stadttourismus.
- c) Die Abhängigkeit vom Ausland verringern, durch die Gründung nationaler Reiseveranstalter.
- d) Die wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz der Umwelt und der Qualität im Tourismus vereinbaren.
4. Die Tourismusgebiete und ihre Typologie
Die touristischen Gebiete verfügen über Räume mit unterschiedlicher Anziehungskraft für inländische und ausländische Touristen. Große touristische Zentren befinden sich an attraktiven Standorten mit unterschiedlichen Grundlagen, etwa in Wintersportorten.
Alle Gebiete können je nach Nutzung und Qualifikation der Touristen eine mittlere oder hohe Aufenthaltsdauer aufweisen oder sich auf bestimmte Angebote spezialisieren.
4.1 Sonne-und-Strand-Tourismus
Zu diesem Typ gehören die Balearen, die Kanarischen Inseln und die Mittelmeerküste der Halbinsel. Sie haben eine gemeinsame, sehr wichtige Saisonalität. Dennoch bestehen deutliche Unterschiede in folgenden Aspekten:
- Erreichbarkeit: Sie bestimmt die touristische Bedeutung. Gebiete mit guter Luft- und Landverbindung zu den Herkunftsländern der Touristen sind klar im Vorteil.
- Raumstruktur: In einigen Fällen integrieren sich Beherbergungsbetriebe in die bestehende städtische Struktur und beeinträchtigen den traditionellen Kern am Meer oder führen zu Erweiterungen.
- Art, Qualität und Kundschaft der Unterkünfte: Es überwiegen extensive Bauformen mit geringer Dichte oder intensive Modelle mit hoher oder niedriger Kategorie. Auch die Herkunft der Kundschaft (national oder international) unterscheidet die Gebiete voneinander.
4.2 Sonstige Tourismusgebiete
Seit den 1990er-Jahren hat sich der Tourismus räumlich stark ausgebreitet. Dies beruht auf folgenden Faktoren:
- Der Tourismus wächst in der Nähe der Ballungsräume.
- Ländliche Gebiete im Inland werden als Strategie zur Diversifizierung und wirtschaftlichen Entwicklung betrachtet.
- Die Umstrukturierung ehemals industrieller Räume erfordert die Einbindung des Küstenbereichs.
- Die Qualität der neuen Attraktionen wird zunehmend Teil der Nachfrage.
Neben den klassischen Küsten- und Strandgebieten entstehen weitere Angebote, die sich auf unterschiedliche Faktoren stützen:
- Madrid: Ganzjährige Nachfrage, Kulturtourismus sowie die Entwicklung von Kongressen und Tagungen.
- Kantabrische und galicische Küste: Die Küsten mit unberührten Landschaften und die ländlichen sowie naturnahen Räume im Inland.
- Ländliche Tourismuszentren.
- Wintersportorte: Der Wintersporttourismus in den Bergen mit Schnee.
- Historische Städte: Kultur- und Kunsttourismus, bei dem Besucher Museen und Denkmäler besichtigen.
5. Die räumlichen Auswirkungen des Tourismus
Der bedeutende Tourismus hat weitreichende Auswirkungen auf die betroffenen Räume. Besonders deutlich und traditionell sind die intensiven Entwicklungen in den touristischen Küstengebieten, die auch benachbarte Räume beeinflussen.
5.1 Demografische Auswirkungen
- In den Küstengebieten steigt die Bevölkerung durch den Tourismus. In vielen Fällen ziehen junge Menschen auf der Suche nach Arbeit zu, ebenso Erwachsene und Senioren im Ruhestand. Sie lassen sich aus unterschiedlichen Gründen dauerhaft in den sich entwickelnden Gebieten nieder, sowohl Spanier als auch Ausländer.
- In ländlichen Gebieten kann der Tourismus in einigen Fällen den Entvölkerungsprozess abschwächen und die Wiederbelebung des Handwerks fördern. Auch in einigen historischen Städten hat der Tourismus in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Abwanderung gebremst.
5.2 Auswirkungen auf die Besiedlung
- An der Küste trägt der Tourismus zur Entstehung neuer Siedlungsstrukturen bei.
- In ländlichen Räumen leistet er in einigen Fällen einen Beitrag zur Sanierung des baulichen Erbes und zur Entwicklung städtischer Räume.
5.3 Wirtschaftliche Auswirkungen
- Der Tourismus schafft Beschäftigung. Er ist ein wichtiger Faktor, sofern die Arbeitsbedingungen verbessert werden können.
- Er hat einen wirtschaftlichen Einfluss auf andere Wirtschaftsbereiche.
- Der Tourismus trägt etwa 11,4 % zum Bruttoinlandsprodukt (2003) bei und ist damit eine der wichtigsten Säulen des spanischen Wohlstands.
- Er gleicht die Handelsbilanz aus und verringert die externe Verschuldung.
- Die Verkehrspolitik wird darauf ausgerichtet, eine gute Erreichbarkeit der touristischen Zentren sicherzustellen.
5.4 Politische, soziologische und kulturelle Auswirkungen
- Der Tourismus fördert die Annäherung der Völker, den Kontakt zwischen Kulturen und das gegenseitige Verständnis.
- Er beeinflusst das Leben der lokalen Gesellschaft, in einigen Fällen negativ, in anderen positiv.
- Er wirkt sich auf die Lebensqualität der Einwohner aus, insbesondere bei Überlastung von Dienstleistungen und Infrastruktur.
5.5 Auswirkungen auf die Raumordnung
- a) Touristische Räume werden entsprechend ihrer Funktion umgestaltet und in Erholungsflächen oder Dienstleistungsflächen umgewandelt. Folgen sind:
- Veränderungen von Umwelt und Landschaft,
- wirtschaftliche Umstrukturierungen,
- Nutzungskonflikte um natürliche Ressourcen.
- b) Historische Stadtzentren spezialisieren sich auf Dienstleistungen für Touristen. Ihre Hauptfunktion wird zunehmend durch Zweitwohnungen und die Befriedigung der touristischen Nachfrage bestimmt.
- c) Der Tourismus kann in ländlichen Räumen zu Konflikten mit anderen Nutzungen und zur Aufgabe der Landwirtschaft führen.
5.6 Umweltauswirkungen
Die starke Entwicklung ging vor allem vom Bausektor aus. Während in der Vergangenheit eine geringe Umweltsensibilität herrschte, ist das Umweltbewusstsein heute stark ausgeprägt. Zu den Folgen gehörten der Bau zahlreicher großer Apartmentkomplexe in Küstennähe sowie eine unkontrollierte Verstädterung. Natürliche Räume von großem Wert, Strände und Küsten wurden durch Verschmutzung belastet. Zum Schutz dieser Gebiete sind heute Schutzmaßnahmen und Sanierungen erforderlich.
Binnenhandel und Außenhandel
Der Handel bietet Produkte und Dienstleistungen an und verbindet Erzeuger mit Verbrauchern. Er kann innerhalb der Landesgrenzen oder grenzüberschreitend stattfinden.
1. Der Binnenhandel
Der Binnenhandel ist gekennzeichnet durch:
- a) Die Lage hängt vom Vorhandensein eines zentralen Vertriebssystems zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Händlern sowie von einem breiten Verbrauchermarkt ab. Beide Faktoren begünstigen die städtischen Gebiete mit gutem Verkehrsnetz.
- b) Seine Struktur hat sich stark verändert. Diese Veränderungen betreffen die Vertriebskanäle, die Zahlungsmethoden und die Organisation des Handels.
- c) Es werden folgende Formen bevorzugt:
- Der Großhandel, der größere Mengen an Waren vertreibt,
- der Einzelhandel, der direkt an Endverbraucher verkauft,
- der traditionelle Handel (z. B. Lebensmittelgeschäfte),
- neue Formen des Handels (z. B. Einkaufszentren).
- d) Die städtischen Handelsgebiete bilden Räume, deren Bevölkerung eine besonders wichtige Rolle beim Kauf von Gütern spielt.
- e) Die spanische Handelspolitik stützt sich auf zwei grundlegende Instrumente:
- den Rahmenplan zur Modernisierung des Handels von 1995,
- das Gesetz über den Einzelhandel von 1996.
2. Der Außenhandel
Der Außenhandel umfasst den Austausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen dem Land und der übrigen Welt.
- a) Die Exporte von Rohstoffen verlieren im Sektor an Bedeutung.
- b) Die Struktur des spanischen Außenhandels hat sich nach dem EU-Beitritt verändert.
- c) Die Handelspolitik wird durch den Abschluss von Abkommen mit der EU sowie mit der Welthandelsorganisation beeinflusst.
Die spanische Handelspolitik zielt darauf ab, die Exporte durch verschiedene Maßnahmen zu fördern.