Traditionelle spanische Literatur und die Romanzen

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Merkmale traditioneller Texte

Es handelt sich um Texte, die mündlich unter den Menschen überliefert werden. Sie wurden von den Dorfbewohnern in Zeiten der Ruhe, bei Festen usw. vorgetragen. Die ersten Texte auf der Iberischen Halbinsel, die Jarchas, entstanden im 10. Jahrhundert aus dem Mozarabischen, obwohl keine schriftlichen Belege vor dem 15. Jahrhundert gefunden wurden.

Themen der traditionellen Lieder

  • Liebesthemen: Eine Frau beklagt sich gegenüber einer Vertrauensperson (Mutter, Schwester, Natur) über die Abwesenheit des Geliebten. Es gibt verschiedene Varianten, wie etwa die Klage einer verheirateten Frau über ihre Qualen.
  • Planctos oder Klagelieder: Trauerlieder, die dem Tod einer Person gewidmet sind.
  • Mayas: Lieder für den Monat Mai.
  • Albas oder Morgengesänge: Der Sonnenaufgang ist der Moment, in dem sich die Liebenden verabschieden, um nicht entdeckt zu werden, oder der Zeitpunkt eines geheimen Treffens.
  • Arbeitslieder und Feiern: Dienen dazu, die täglichen Aufgaben zu bewältigen. Spöttische Töne sind hierbei weit verbreitet.
  • Spottlieder: Werden oft zur Ablenkung und fröhlichen Unterhaltung genutzt.

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Ursprung und Übermittlung von Romanzen

Die Romanzen gelten als Ausdruck der spanischen Volksdichtung. Sie stammen aus dem Mittelalter und sind epische, lyrische oder episch-lyrische Gedichte. Sie bestehen aus achtsilbigen Versen mit assonierendem Reim in den geraden Versen und behandeln traditionelle Themen, die mündlich überliefert wurden.

Einteilung der Romanzen

  • Alte Romanzen (Romancero viejo): Anonyme Texte aus unbekannter Quelle, die bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden. Ihre Blütezeit erlebte die Gattung im 16. Jahrhundert, als die ersten vollständigen Sammlungen, die sogenannten Cancioneros de Romances, veröffentlicht wurden.
  • Neue Romanzen (Romancero nuevo): Texte ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, die von bekannten Autoren (wie Góngora etc.) in Anlehnung an die alten Romanzen verfasst wurden.

Theorien zu Herkunft und Übertragung

Über den Ursprung gibt es verschiedene Theorien:

  • Traditionelle Theorie: Besagt, dass Romanzen aus den Epen (Heldenliedern) stammen. Spielleute wiederholten bevorzugte Teile vor dem Publikum, die dann isoliert weitergesungen wurden.
  • Individualistische Theorie: Definiert die Romanzen als Werke, die gezielt von anonymen Autoren geschrieben wurden. Ein Argument für diese These ist, dass die ältesten Romanzen keine vollständigen Epen darstellen und somit nicht zwangsläufig von diesen abstammen.

Bis sie schriftlich fixiert wurden, erfolgte die Weitergabe mündlich. Die Erzählungen wurden dabei synthetisiert und auf das Wesentliche kondensiert; diesen Vorgang nennt man Abschneiden (Fragmentarismus). Die Menschen kennen oft nicht die ganze Geschichte, sondern hören nur die interessantesten und wichtigsten Teile.

Analyse eines Auszugs aus „La Celestina“

In diesem Auszug aus La Celestina wird die missverstandene Liebe Calistos zu Melibea deutlich. Es wird die Ablehnung Calistos durch Melibea hervorgehoben, auch wenn diese weniger direkt und brutal ausfällt, als es für die lyrische Verehrung (Vasallentum der Liebe) typisch ist. Dies wird bei Melibea durch Sätze wie den folgenden ausgedrückt:

„Calisto, ein Mensch mit einem solchen Geist wie du, hätte es lassen sollen, sich in der Tugend einer Frau wie mir zu verlieren. Geh! Verschwinde, du Dummkopf! Meine Geduld kann es nicht ertragen, dass das Herz eines Menschen es gewagt hat, mir gegenüber eine unerlaubte Liebe und sein Begehren zu äußern.“

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