Die Tyrannei der Gesundheit: Konzepte und Kritik

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Das Konzept der Gesundheit und seine Kritik

Es herrscht eine rege Diskussion über das Konzept der Gesundheit. Fitzgerald argumentiert, dass die Einstufung aller Probleme als medizinische Probleme die Antithese zu wahrer Gesundheit darstellt. Dies schränkt die Fähigkeit der Menschen ein, zu lernen, mit Schmerz, Krankheit und Tod als natürlichem Teil des Lebens umzugehen.

Heute ist eine riesige Industrie rund um das Thema Gesundheit entstanden, die oft mit irreführenden Angeboten von Gesundheitsprodukten wirbt. Fitzgerald besagt, dass Menschen keine Lebensstile „besitzen“, sondern einen Lebensstil leben, für den sie sich entscheiden; das Leben ist das, was man durchmacht.

Die Tyrannei der Gesundheit nach Fitzgerald

Auch die Idee, die eigene Gesundheit als höchstes Ideal zu betrachten, wird heute als Definition akzeptiert. Früher waren gesundheitliche Probleme oft eine Schande für die betroffenen Menschen und ihre Familien. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch sowohl Probleme als auch Lösungen in die Verantwortung der Gesellschaft übergegangen, was ein wechselseitiges Phänomen darstellt.

Einige Fehler in der Selbstpflege werden mittlerweile fast als Verbrechen gegen die Menschlichkeit betrachtet, da die Gesellschaft für die Folgen aufkommt. Krankheit wird oft als Beweis für ein Fehlverhalten benutzt. Dabei darf man nicht vergessen, dass das Konzept des „Selbstmissbrauchs“ an Kriterien geknüpft ist, die mit sich wandelnden gesellschaftlichen Moden oder Gewohnheiten zusammenhängen. Diese entscheiden darüber, welcher Lebensstil als akzeptabel oder inakzeptabel gilt.

Fitzgerald vertritt die Auffassung, dass Fortschritte bei der Rationalisierung des Gesundheitswesens die Verbindung zwischen Laster und Krankheit in der öffentlichen Ordnung festigen. Es besteht die Gefahr zu glauben, dass jene, die nicht gesund sind, ein Fehlverhalten begangen haben. Während einige unterstützt werden, werden andere gesellschaftlich verurteilt – ein Phänomen, das er als die „Tyrannei der Gesundheit“ bezeichnet.

Der Beitrag der Gesundheitsdienste

Abschließend bleibt ein umstrittenes Thema: Der Beitrag der Gesundheitsdienste zum Niveau des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung. Berechnungen legen die begrenzte Auswirkung des Gesundheitswesens auf die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung nahe.

  • McKeown: Er schlug vor, dass der Rückgang der Sterblichkeit an Infektionskrankheiten nicht primär auf medizinische Behandlungen zurückzuführen sei.
  • Mackenbach: Er stellt fest, dass das Gesundheitssystem sowohl direkten als auch indirekten Einfluss auf die Mortalität ausübt.

Direkte und indirekte Einflüsse

Die Einflüsse lassen sich wie folgt unterteilen:

  • Direkt: Programme für öffentliche Gesundheit, Chirurgie, Schwangerschaftsvorsorge oder antiinfektive Behandlungen.
  • Indirekt: Ärzte, öffentliche Gesundheitsprogramme, Gesundheitsreformen und die Förderung des kulturellen Wandels.

Das Lalonde-Modell in der Gesundheitspolitik

Das Lalonde-Modell für die Führung der Gesundheitspolitik dient dazu, spezifische Risikofaktoren für jedes Gesundheitsproblem zu identifizieren, um gezielt auf sie einzuwirken. Dieses Modell ermöglicht es, ein komplexes Problem in überschaubare Bereiche aufzuteilen. Es definiert vier Hauptkategorien:

  1. Lebensstil
  2. Umwelt
  3. Biologie
  4. Gesundheitswesen

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