Urbanisierung und Bürgertum im 19. Jahrhundert

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Die Urbanisierung im 19. Jahrhundert

Eines der wichtigsten Merkmale dieser Epoche ist die rasante Entwicklung der Städte. London, Paris und Wien waren im späten 19. Jahrhundert die europäischen Metropolen mit mehr als drei Millionen Einwohnern. Das Phänomen der Landflucht untermauerte das Wachstum der Industriestädte. Die Arbeiterviertel in der Nähe der Fabriken sowie neue bürgerliche Stadterweiterungen, welche die Innovationen der Zeit übernahmen, prägten das Stadtbild.

Der Wandel des Stadtbildes

Die städtische Landschaft veränderte sich grundlegend durch die Einführung von:

  • Wasserleitungen und Kanalisation
  • öffentlicher Beleuchtung (ab 1890 elektrisch)
  • modernen Verkehrsmitteln (wie der London Underground ab 1863)

Bahnhöfe, Banken, Boulevards, Theater und Cafés bildeten die Kulisse der modernen Stadt, die maßgeblich von der Bourgeoisie gestaltet wurde. Die anonyme Masse der Stadt nahm Gestalt an: Die Menge wurde zum neuen Hauptakteur.

Die Bourgeoisie und ihre neuen Werte

Die an der Macht etablierte Bourgeoisie setzte sich für die Veränderung von Gewohnheiten und die Entstehung neuer Werte ein, die beispielhaft für die gesamte Gesellschaft wurden. Zu diesen neuen Werten, die sich letztlich durchsetzten, gehörten:

  • Versammlungen in Cafés und das Zeitunglesen
  • eine gesunde Lebensweise und Sport
  • die Privatsphäre der Familie
  • die besondere Sensibilität der Frauen
  • die Differenzierung der Kindheit

Soziale Schichten und das Bürgerhaus

Die Großbourgeoisie bestand aus Bankiers, Großindustriellen, Unternehmern, leitenden Verwaltungsbeamten und hochrangigen Militärs. Sie kontrollierten die Macht und beeinflussten Planungsentscheidungen sowie städtische Reformen.

Die städtische Mittelschicht, getragen von Ladenbesitzern, Unternehmern, Angestellten der Verwaltung und der Armee sowie Fachkräften, strebte danach, den Lebensstandard der oberen Schicht zu erreichen.

Privates Eigentum – das höchste Gut des Bürgertums – wurde im „Bürgerhaus“ repräsentativ zur Schau gestellt: Wohnzimmer, getrennte Schlafzimmer, Räume für die Dienerschaft, edles Geschirr, Möbel, Mode und Gardinen. Auch durch die Kleidung wurde die soziale Differenzierung ausgedrückt: Hüte, Pelze, Goldketten und Taschenuhren identifizierten den Bürger.

Freizeit, Moral und Bildung

Der Konsum von Freizeit – wie beispielsweise das Wandern zur Wiederentdeckung der Natur – füllte den neuen Begriff der „Freizeit“ mit Leben. Das „gesunde Leben“ etablierte sich als Gegenpol zur hektischen modernen Welt. Begriffe wie „Anstand“ oder „Bescheidenheit“ begründeten die neue Moral.

Zudem ist das ausgeprägte Interesse der Bourgeoisie an einer richtigen Erziehung als Vehikel für die Ausbildung der Bürger und für die Vermittlung sozialer Werte hervorzuheben. Analphabetismus wurde als Geißel angesehen. Daher machten die verschiedenen europäischen Länder die Alphabetisierung und den Ausbau der Grundschule zu einem ihrer vorrangigen Ziele.

In sogenannten Weltausstellungen (wie der in London 1855, einer der ersten) bot sich die Möglichkeit zur Erprobung und Präsentation der Errungenschaften der westlichen Zivilisation.

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