Ursachen, Folgen und Merkmale von Staatszerfall

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Ursachen von Staatszerfall

Der Zerfall staatlicher Strukturen kann durch Probleme innerhalb (endogen) und außerhalb (exogen) eines Landes und einer Region verursacht werden. Oft bedingen exogene und endogene Faktoren einander und verstärken sich gegenseitig. Zu den endogenen Faktoren gehören beispielsweise eine schlechte politische Führung, unterschiedliche nationale und internationale Machtinteressen, als ungerecht empfundene Friedensregelungen nach einem Konflikt, Korruption, Ausbeutung und große soziale Ungleichheit.

Exogene Faktoren wie die Auswirkungen des Kolonialismus und Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert belasten die Staaten Afrikas sowie große Teile der arabischen Welt. An den Landesgrenzen, die zum Teil ohne Rücksicht auf ethnische und religiöse Zugehörigkeiten nach dem Belieben der europäischen Kolonialmächte gezogen wurden, kam es oft zu Unruhen und Kriegen. Stammes- und Clanstrukturen dominierten viele Staaten, die auch nach dem Ende des Kolonialismus mit wirtschaftlichen Krisen zu kämpfen hatten.

Während des Kalten Krieges hielten die Großmächte, etwa die Sowjetunion oder die USA, ihre Dominanz in den wenig entwickelten Ländern Afrikas, Südamerikas oder Asiens aufrecht. Durch Stellvertreterkriege veränderten sie dort die Machtbalance. Nach dem Ende des Kalten Krieges in den 1990er-Jahren zogen die Großmächte verstärkt aus den Entwicklungsländern ab. Sie hinterließen oft ein Machtvakuum, das die politische Situation in vielen Ländern bis in die Gegenwart prägt. Exogene Faktoren wie die Globalisierung, militärische Interventionen oder eine fehlerhafte Entwicklungspolitik tragen auch dazu bei, dass sich dort keine stabilen staatlichen Strukturen etablieren können.

Mögliche Folgen des Staatszerfalls

Folgen staatlicher Zerfallsprozesse sind z. B. der Zusammenbruch des Wirtschafts-, Sozial- und Bildungssystems sowie der Infrastruktur bis hin zur Zerstörung staatlicher Strukturen. Der Staat kann Recht und Ordnung und damit die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr gewährleisten. Es fehlen Steuereinnahmen, um z. B. die Polizei und die staatliche Verwaltung zu bezahlen. Es fehlt auch die Autorität, um eine unabhängige und funktionsfähige Justiz zu stützen. Warlords, also selbst ernannte regionale Kriegsherren, unterwandern die Wirtschaft durch Korruption, Vetternwirtschaft und illegale Geschäfte wie den Drogen-, Waffen-, Rohstoff- und Menschenhandel oder die Prostitution.

Migration als Folge des Staatszerfalls

Tausende Flüchtlinge verlassen ihre Heimatländer aufgrund staatlicher Zerfallsprozesse, ökonomischer Unsicherheit und der Hoffnung auf Frieden und Wohlstand. Auf dem Weg aus ihrer Heimat sind sie von Schlepperbanden und Erpressern abhängig. Der gefährlichste Abschnitt ist die Überfahrt über das Mittelmeer.

Merkmale von Staatszerfall

1. Schwaches staatliches Gewaltmonopol

  • Keine Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet
  • Hohe Zahl privater Gewaltakteure
  • Auflösung des staatlichen Sicherheitsapparats
  • Bewaffnung der Bevölkerung
  • Selbstjustiz
  • Regierung wird von der Bevölkerung als illegitim betrachtet

2. Wenig staatliche Dienstleistungen

  • Wirtschaftliche Krisen
  • Hohe Arbeitslosigkeit
  • Schwaches staatliches System der sozialen Sicherung
  • Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich
  • Schlechte Verkehrsinfrastruktur
  • Gering ausgeprägtes Bildungs- und Gesundheitswesen

3. Instabile politische Verhältnisse

  • Wahlfälschungen und Wahlbetrug
  • Schwere Menschenrechtsverletzungen
  • Keine unabhängige Justiz und Presse
  • Hohe Anzahl von Flüchtlingen
  • Hohes Maß an Korruption
  • Geringes Maß an politischer Teilhabe
  • Schwach ausgeprägte Zivilgesellschaft
  • Nepotismus (Vetternwirtschaft)
  • Tief liegende ethnische, soziale, regionale oder religiöse Differenzen

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