Der Ursprung des Lebens und die Evolutionstheorie
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Was ist Leben und wie entstand es?
Was ist Leben? Ein lebendes System zeichnet sich dadurch aus, dass es für seinen Fortbestand sorgt, mit seiner Umwelt interagiert und sich reproduziert. Viren erfüllen noch nicht alle Funktionen, die als unentbehrlich für das Leben angesehen werden.
Der Ursprung des Lebens und die Urzeugung
Bezüglich des Ursprungs des Lebens verteidigte Aristoteles die Theorie der Urzeugung (Spontanzeugung): Leben entsteht aus den vier Elementen, die in der Natur vorhanden sind. Durch seine Naturbeobachtungen legte er die Grundlagen der wissenschaftlichen Methode. Heute wissen wir, dass der Ursprung des Lebens und seine Vielfalt durch Mutationen, die Vererbung von Eigenschaften und die natürliche Selektion erklärt werden können.
Die Zelltheorie und die Spontanzeugung
Francesco Redi stellte die Theorie der Spontanzeugung infrage und versuchte, sie experimentell zu widerlegen. Mit der Erfindung des Mikroskops wurden die ersten Zellen beobachtet. Im Jahr 1838 formulierten Schleiden und Schwann die Zelltheorie: Die Zelle ist die strukturelle und funktionelle Grundeinheit aller Lebewesen, und jede Zelle entsteht aus einer bereits existierenden Zelle. Louis Pasteur bewies 1863 endgültig, dass kein Leben ohne bereits vorhandenes Leben entstehen kann.
Die chemische Evolutionstheorie
Die Wissenschaftler Oparin und Haldane argumentierten, dass die Umweltbedingungen bei der Entstehung der Erde völlig anders waren als heute. Es gab genügend Energiequellen (wie UV-Strahlung und Blitze), um aus anorganischen Stoffen organische Moleküle zu bilden. Diese konzentrierten sich in den Urozeanen und bildeten die sogenannte Ursuppe (nahrhafte Suppe).
Das älteste bekannte Fossil besteht aus karbonatischen Strukturen, die in Sedimentgesteinen in Grönland gefunden wurden. Ab einem Alter von etwa 3800 Millionen Jahren (Mio. Jahren) sind Stromatoliten die am häufigsten vorkommenden Fossilien.
Die biologische Evolution und frühe Theorien
Die biologische Evolution ist der Prozess der Veränderungen, die sukzessive in Lebewesen über Generationen hinweg auftreten.
- Fixistische Theorien (Fixismus): Diese gingen von einer statischen und unveränderlichen Welt aus.
- Katastrophentheorie (Diluvialtheorie): Sie besagte, dass Fossilien die Überreste von Tieren sind, welche die Sintflut nicht überlebten. Später erkannte man jedoch, dass es in der Erdgeschichte mehrere Episoden von Massensterben gab. Georges Cuvier schlug die Katastrophentheorie vor, um die Existenz aufeinanderfolgender Aussterbeereignisse und Neuschöpfungen zu erklären.
Mit der Evolutionstheorie entstand auch die moderne Taxonomie (begründet durch Carl von Linné), welche die Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Lebewesen auf der ganzen Welt hervorhebt.
Lamarckismus: Vererbung erworbener Eigenschaften
Jean-Baptiste de Lamarck stellte die Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften auf. Dies beschreibt den Mechanismus, wie sich Lebewesen an die Veränderungen der Umwelt anpassen, in der sie leben. Sein Gesetz vom Gebrauch und Nichtgebrauch besagt: Lebewesen entwickeln ein Organ durch häufigen Gebrauch weiter, während ein nicht genutztes Organ verkümmert und schließlich verschwindet. Obwohl diese Theorie der experimentellen Überprüfung nicht standhielt, führte sie die grundlegende Idee der Anpassung ein und war die erste ausformulierte Evolutionstheorie.
Darwin und Wallace: Natürliche Selektion
Charles Darwin und Alfred Russel Wallace begründeten die Evolutionstheorie durch natürliche Selektion. Darwins wesentliche Schlussfolgerungen waren:
- Das Alter der Erde beträgt viele Millionen Jahre.
- Innerhalb einer Population von Individuen derselben Art existiert eine große Variabilität.
- Es herrscht ein Kampf ums Dasein (Wettbewerb um begrenzte natürliche Ressourcen).
Diese drei Erkenntnisse spiegeln sich auch in der künstlichen Züchtung wider, bei der durch gezielte Kreuzung über aufeinanderfolgende Generationen hinweg Exemplare mit überlegenen Eigenschaften erzielt werden. Darwin übertrug dies auf die Natur und führte das Prinzip der natürlichen Selektion ein: Nur diejenigen Individuen überleben und pflanzen sich erfolgreich fort, die ein vorteilhaftes, anpassungsfähiges Merkmal besitzen.
Allerdings hatte die ursprüngliche Theorie keine genetische Grundlage und konnte die Ursache für diese zufälligen Variationen nicht erklären, obwohl sie die in der Natur beobachteten Tatsachen schlüssig darlegte. Zur gleichen Zeit entwickelte Alfred Russel Wallace eine identische Theorie. Im Jahr 1859 veröffentlichte Darwin sein bahnbrechendes Werk „Über die Entstehung der Arten“. Die Schlüsselkonzepte seiner Theorie sind: zufällige Variationen, natürliche Selektion und Gradualismus (allmähliche Entwicklung).
Die Synthetische Evolutionstheorie
Die Evolutionstheorie nach Darwin stieß anfangs auf zwei wesentliche Einwände:
- Den Mangel an Beweisen (es gab keine gültige Erklärung für die Ursachen zufälliger Variationen).
- Das Fehlen von Übergangsfossilien (den sogenannten „Missing Links“).
Dadurch verlor der Darwinismus Ende des 19. Jahrhunderts vorübergehend an Bedeutung. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts führten die Wiederentdeckung der Genetik (Mutationen), neue Fossilienfunde und statistische Methoden zur Entwicklung der Synthetischen Evolutionstheorie (maßgeblich geprägt durch Theodosius Dobzhansky, Ernst Mayr und George Gaylord Simpson).
Mikroevolution, Makroevolution und LUCA
Innerhalb der Evolution unterscheidet man verschiedene Prozesse:
- Anagenese: Die langsame und schrittweise Umwandlung einer Art in eine andere.
- Genetische Veränderungen: Weitere Ursachen für die Veränderung von Genfrequenzen sind Migration, Hybridisierung zwischen Arten und die genetische Drift.
- Mikroevolution: Den Prozess kleiner Veränderungen innerhalb einer Art oder nah verwandter Arten.
- Makroevolution und Punktualismus: Plötzliche, rasche evolutionäre Veränderungen und die Entstehung neuer Arten (Punktiertes Gleichgewicht, vorgeschlagen von Stephen Jay Gould und Niles Eldredge, 1972). Nach diesen Autoren folgen auf kurze Phasen des schnellen Wandels (Kladogenese) lange Phasen der evolutionären Ruhe (Stasis).
Verfolgt man den Prozess der Evolution in der Zeit zurück, gelangt man unabhängig von der bevorzugten Theorie zum letzten gemeinsamen Vorfahren aller Lebewesen, genannt LUCA (Last Universal Common Ancestor).
Aktuelle Debatten in der Evolutionsbiologie
Die heutigen Debatten über die Evolution drehen sich vor allem um folgende Fragen:
- Die Richtung der Evolution.
- Die Ursachen der Entwicklung: Umwelteinflüsse (externe Faktoren) versus interne genetische Faktoren.
- Das Tempo der Evolution: Gradualismus (langsame, kontinuierliche Veränderung) versus Punktualismus (schnelle, diskontinuierliche Veränderung).
- Die natürliche Selektion und der tatsächliche Anpassungswert bestimmter Merkmale.