Der viktorianische Roman: Dickens, Thackeray und Trollope
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Der Aufstieg des Romans
Die Schriftsteller dieser Ära waren tief in ihrer Gesellschaft verwurzelt. Sie besaßen einen ausgeprägten Sinn für Propaganda, da ihre Literatur dazu diente, viktorianische Werte wie Familie, Häuslichkeit und Religion zu vermitteln. Verbunden mit diesem propagandistischen Ansatz war der Wunsch nach gesellschaftlichen Verbesserungen in einer Zeit, die zwar von Sparsamkeit geprägt war, aber auch starke Klassenunterschiede aufwies. Die Autoren griffen auf reale Charaktere aus dem Alltag zurück, um ein authentisches Bild der englischen Gesellschaft zu zeichnen.
Individualität und Autobiografie
Ein zentraler Wert war die Individualität, oft dargestellt in linearen Erzählungen, in denen viktorianische Figuren erfolgreich ihren Weg gehen. Die Autobiografie entwickelte sich zu einem bedeutenden Genre, wobei viele Schriftsteller semi-autobiografisches Material in ihre Werke einfließen ließen.
Literarische Techniken und Themen
Bei der Betrachtung der Themen muss zwischen der ersten und der zweiten Gruppe viktorianischer Schriftsteller unterschieden werden. Die zweite Gruppe zeigte einen ausgeprägten Pessimismus gegenüber den Lastern der Gesellschaft. Zu den literarischen Techniken zählten:
- Erzähler in der dritten Person
- Serielle Veröffentlichungsform
- Polyrhythmische Zeitstruktur (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft)
Charles Dickens: Der populärste Autor seiner Zeit
Charles Dickens war der bedeutendste Schriftsteller dieser Epoche. Seine Romane zeichnen sich durch einen starken Realismus aus, der die Lebensbedingungen und das Leiden des englischen Volkes beschreibt. Er wurde maßgeblich von Autoren des 18. Jahrhunderts wie Defoe, Smollett und Goldsmith beeinflusst.
Dickens nutzte die serielle Form und die semi-autobiografische Erzählweise, was seinen Werken eine besondere Tiefe verlieh. Er verfasste auch historische Romane, wie etwa A Tale of Two Cities. Zu seinen zentralen Themen gehörten:
- Die Situation der armen Klassen
- Die Auswirkungen der Industriellen Revolution
- Die Korruption politischer Behörden
Dickens arbeitete zudem mit binären Gegensätzen wie Nord/Süd oder reich/arm, um die Wechselwirkung zwischen Charakteren und ihrem sozialen Umfeld darzustellen.
William M. Thackeray: Experimenteller Realismus
William M. Thackeray gilt als einer der intensivsten Romanciers, der sich stark auf den Experimentalismus konzentrierte. Sein bedeutendster Roman, Vanity Fair, ist eine scharfe Beschreibung der viktorianischen Gesellschaft, ihrer Laster und Tugenden. Thackeray betrachtete seine Figuren oft als „Marionetten“ und fokussierte sich in seinen Werken primär auf die gehobene Mittelschicht.
Anthony Trollope: Beobachter des politischen Lebens
Anthony Trollope war ein scharfsinniger Beobachter menschlichen Ehrgeizes und des politischen Lebens im viktorianischen Zeitalter. Seine Prosa ist realistisch und kritisch; in seinen Werken besitzen Politiker oft kaum Tugenden. In seinem berühmten Roman The Warden thematisiert er das Leben in einer kleinen Gemeinschaft und die dort existierenden familiären Verbindungen. Trollope betonte stets die Idee, dass moralische Werte die Gesellschaft verändern können, weshalb er die Politik seiner Zeit besonders kritisch hinterfragte.