Vitalzeichen und Erste Hilfe: Ein umfassender Leitfaden
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Grundlagen der Vitalzeichen
Vitalzeichen: Sie werden als lebenswichtige Zeichen, Signale oder Reaktionen bezeichnet, die anzeigen, dass ein Mensch am Leben ist und die grundlegenden Funktionen des Körpers ordnungsgemäß ablaufen.
Die Vitalfunktionen sind: Herzfrequenz, Atemfrequenz, Pupillenreaktion, Körpertemperatur und Blutdruck. In der Ersten Hilfe ist es wichtig, den Puls regelmäßig zu bewerten, um die Funktionsweise des Körpers und mögliche Änderungen zu überwachen, die bei Unfällen häufig auftreten. Hierfür ist es notwendig, auch die Atmung zu kontrollieren.
Messung der Körpertemperatur
Temperatur: Dies ist das Verfahren, das in der Leistengegend, der Mundhöhle, rektal oder in den Achselhöhlen durchgeführt wird, um die Wärme des menschlichen Organismus zu messen. Die Körpertemperatur resultiert aus dem Gleichgewicht zwischen erzeugter und vom Körper ausgeschiedener Wärme. Wärme entsteht, wenn Zellen Nahrung zur Energiegewinnung nutzen. Die Temperatur wird mit Thermometern gemessen, wobei die Celsius- oder Fahrenheit-Skala verwendet werden kann. Gemessen wird meist in der Achselhöhle, im Mund oder am Trommelfell.
Ziele der Temperaturmessung
- Beurteilung des Gesundheitszustands oder einer Erkrankung
- Unterstützung bei der medizinischen Diagnose
- Feststellung des Wärmegrades eines Körpers
- Exakte Aufzeichnung der Körpertemperatur zur Diagnoseunterstützung
Material und Ausrüstung
- Edelstahltablett
- Thermometerhalter mit antiseptischer Lösung
- Thermometer
- Behälter mit nassen Tupfern
- Behälter mit Seifenwasser
- Papiertüte für Abfälle
- Zungenspatel
- Bleistift oder Kugelschreiber
- Dokumentationsblatt (Schaublatt)
Verfahrensschritte
- Bereiten Sie die Ausrüstung vor und informieren Sie den Patienten.
- Bestätigen Sie, dass der Patient in den letzten 30 Minuten keine Nahrung aufgenommen oder Sport getrieben hat.
- Erklären Sie das Verfahren und bringen Sie den Patienten in eine liegende oder sitzende Position.
- Entnehmen Sie das Thermometer aus der antiseptischen Lösung und reinigen Sie es.
- Trocknen Sie es mit einem Tupfer in rotierenden Bewegungen.
- Trocknen Sie die Achselhöhle und platzieren Sie das Reservoir des Thermometers in der Mitte der Axilla.
- Legen Sie den Unterarm des Patienten auf die Brust, um das Thermometer zu fixieren.
- Lassen Sie das Thermometer ca. 3–5 Minuten verbleiben.
- Reinigen Sie das Thermometer nach der Entnahme mit einem trockenen Tupfer.
- Erfassen und dokumentieren Sie den Wert.
- Schütteln Sie das Quecksilber zurück, spülen Sie das Thermometer in Seifenwasser und legen Sie es zurück in die Desinfektionslösung.
- Bewerten Sie das Messergebnis.
Wissenschaftliche Hintergründe zur Temperatur
- Das Quecksilber-Fieberthermometer nutzt die Ausdehnung der Substanz bei Temperaturänderungen (Skala von 34 bis 41 °C).
- Körperwärme dehnt das Quecksilber aus; eine Engstelle verhindert das sofortige Zurückfließen.
- Die Temperaturskala orientiert sich am Schmelzpunkt von Eis und dem Siedepunkt von Wasser bei Normaldruck.
- Wärmeerzeugung ist eine Folge chemischer Reaktionen und metabolischer Prozesse.
- Die Menge des inhalierten Sauerstoffs bestimmt teilweise die Wärmeproduktion.
- Muskuläre Aktivität erhöht die Stoffwechselrate um das 4- bis 10-fache gegenüber dem Ruhezustand.
- Der Muskeltonus erhöht sich besonders bei Kälte und emotionaler Belastung.
- Kenntnis des Verfahrens hilft, Angst beim Patienten zu reduzieren.
Sicherheitsmaßnahmen
- Der Patient sollte vor der Messung keine kalten oder warmen Speisen zu sich nehmen.
- Keine körperliche Anstrengung unmittelbar vor der Messung.
- Der Patient sollte während der oralen Messung nicht sprechen.
- Vorsicht bei sehr unterernährten Patienten oder während der Stillzeit.
Axillartemperatur
A) Die Achselhöhle trocknen, ohne zu reiben. B) Thermometer platzieren und Arm auf die Brust legen. C) 8–10 Minuten warten. D) Anmerkungen: 1. Antiseptische Lösung alle 24 Stunden wechseln. 2. Nach dem Waschen des Arms 15 Minuten mit der Messung warten.
Rektaltemperatur
a) Thermometer mit runder Spitze verwenden. b) Lagerung: Erwachsene in Linksseitenlage, Kinder in Rückenlage. c) Gleitmittel auf die Kugel auftragen. d) Einführtiefe: Erwachsene 2,5–3,5 cm, Kinder 1,5–2,5 cm. e) Drei Minuten verbleiben lassen. f) Gründlich reinigen und desinfizieren.
Orale Temperatur
Benötigtes Material: Oral-Thermometer, Gaze.
Verfahren bei oraler Messung
- Händewaschen und Handschuhe anziehen.
- Patienten über den Vorgang informieren.
- Thermometer reinigen und sicherstellen, dass das Quecksilber unten ist.
- Thermometerkugel unter die Zunge legen; Mund geschlossen halten.
- 8 Minuten warten.
- Wert ablesen und notieren.
- Thermometer mit Seife reinigen, kalt abspülen und Quecksilber herunterschütteln.
Der Puls: Definition und Messung
Puls: Eine Druckwelle des Blutes, die durch die Kontraktion des linken Ventrikels entsteht. Der Puls ist das Schlagen einer Arterie gegen eine harte Unterlage (Knochen). Wenn die linke Herzkammer kontrahiert, gelangt Blut in die Arterien des gesamten Körpers.
Schritte der Pulsmessung
- Arm des Patienten in eine bequeme Position bringen.
- Zeige- und Mittelfinger auf die gewählte Arterie legen.
- Leicht drücken, bis der Puls deutlich tastbar ist.
- Die Schläge eine volle Minute lang zählen.
- Pulsfrequenz und Eigenschaften (Rhythmus, Stärke) dokumentieren.
Wichtige Arterien zur Pulsmessung
- Temporalarterie: Am Schläfenbein, zwischen Ohr und Stirn.
- Halsschlagader (A. carotis): Seitlich am Hals neben dem Kehlkopf.
- Arteria radialis: Am Handgelenk (daumenseitig).
- Arteria brachialis: Innenseite des Bizeps oder Ellenbeuge.
- Femoralarterie: In der Mitte der Leiste.
- Arteria pedis: Auf dem Fußrücken.
- Arteria poplitea: In der Kniekehle.
Atmung und Atemfrequenz
Atmung: Der Vorgang des Luftaustauschs in den Lungen, bestehend aus Einatmung (Inspiration) und Ausatmung (Exspiration). Eine normale Atmung ist ruhig, regelmäßig und ohne Anstrengung.
Ziele der Atembewertung
- Kenntnis der Atemfrequenz und Atemeigenschaften.
- Erkennung von Hypoxie (Sauerstoffmangel) oder Anoxie.
- Beurteilung des Allgemeinzustands bei Änderungen des Atemtempos.
Material und Ausrüstung
- Uhr mit Sekundenzeiger
- Dokumentationsblatt
- Stift
Wissenschaftlicher Hintergrund der Atmung
- Eine korrekte Position ermöglicht eine optimale Durchführung.
- Die Atmung kann teilweise willkürlich gesteuert werden.
- Normale Atembewegungen sind automatisch und schmerzlos.
- Bei der Inspiration dehnt sich der Brustkorb aus, damit Luft eintreten kann.
- Die Luft besteht zu ca. 21 % aus O2 und 79 % aus N2; die Ausatemluft enthält ca. 4 % CO2.
- Die chemische Zusammensetzung des Blutes regelt Frequenz und Tiefe der Atmung.
Atemfrequenz: Die Anzahl der Atemzüge pro Minute. Sie wird normalerweise im Ruhezustand gemessen, indem man das Heben des Brustkorbs zählt. Die Frequenz kann bei Fieber oder Krankheiten steigen.
Blutdruck und arterielle Hypertonie
Blutdruck: Eine Messung der Kraft, die das Blut auf die Wände der Arterien ausübt, während das Herz pumpt. Er wird durch die Stärke, das Blutvolumen sowie die Flexibilität der Arterien bestimmt.
Messung des Blutdrucks
Zur Registrierung des Blutdrucks werden zwei Werte bestimmt: der systolische (Maximalwert) und der diastolische Druck (Minimalwert). Die Herzaktivität bedingt diese Schwankungen. Der Höchstwert wird während der Systole erreicht, während der diastolische Wert auf die untere Grenze fällt.
Die Messung erfolgt meist mit einem Blutdruckmessgerät (Sphygmomanometer), entweder mit Quecksilber oder als Aneroid-Gerät. Quecksilbergeräte sind sehr zuverlässig, während Aneroid-Geräte regelmäßig kalibriert werden müssen.
- Systolischer Druck (palpatorisch): Man tastet den Radialpuls und pumpt die Manschette auf, bis der Puls verschwindet. Beim langsamen Ablassen ist der Punkt, an dem der Puls wieder tastbar ist, der systolische Wert.
- Diastolischer Druck: Nach der Identifizierung des systolischen Drucks wird weiter Luft abgelassen, bis die Korotkow-Geräusche verschwinden. Dieser Moment entspricht dem diastolischen Blutdruck.
Arterielle Hypertonie: Bluthochdruck liegt vor, wenn die Werte dauerhaft bei 140/90 mmHg oder höher liegen. Ursachen können endokrine Erkrankungen, Nierenleiden oder Schwangerschaft sein. Ein Risiko für Herz-Kreislauf-Schäden besteht oft schon ab 135/85 mmHg.
Neurologische Reflexe
Reflexe: Automatische, schnelle und vorhersehbare Reaktionen auf Umweltveränderungen zur Aufrechterhaltung der inneren Körperbedingungen.
- Rezeptoren: Endigungen von Neuronen, die Nervenimpulse auslösen.
- Afferente sensorische Neuronen: Leiten Impulse zum Integrationszentrum (Rückenmark/Stammhirn).
- Interneuronen: Verbinden sensorische und motorische Neuronen.
- Efferente Motoneuronen: Leiten Impulse zum Effektor (Muskel oder Drüse).
Arten von Reflexen
- Angeborene Reflexe: Allen Menschen gemeinsam, erfordern kein Lernen (z. B. Lidschlag).
- Bedingte Reflexe: Durch Erfahrung erworbene Reaktionen.
- Eigenreflexe (myostatisch): Reiz und Antwort im selben Muskel (z. B. Kniesehnenreflex).
- Fremdreflexe: Reiz und Antwort an unterschiedlichen Orten (z. B. Rückziehreflex bei Schmerz).
Experimentelle Untersuchung
- Kniephänomen (Patellarsehnenreflex): Schlag unterhalb der Kniescheibe führt zur Streckung des Beins.
- Achillessehnenreflex: Schlag auf die Achillessehne führt zur Beugung des Fußes.
- Pupillenreflex: Bei Lichteinfall verengt sich die Pupille (Miosis), bei Dunkelheit erweitert sie sich (Mydriasis).
Das Herz-Kreislauf-System
Einzellige Organismen tauschen Nährstoffe direkt mit der Umgebung aus. Bei komplexen Organismen übernehmen Blutgefäße diese Aufgabe.
- Arterien: Gefäße, die das Blut vom Herzen wegführen. Sie verzweigen sich in Arteriolen und Kapillaren.
- Venen: Führen das Blut zum Herzen zurück. Der Rückfluss wird durch Muskelkontraktion und Venenklappen unterstützt.
- Kapillaren (Haargefäße): Hier findet der Stoffaustausch statt. Man unterscheidet kontinuierliche und fenestrierte (gefensterte) Kapillaren.
Arten des Schocks
Ein Kreislaufschock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Gewebedurchblutung unzureichend ist.
- Hypovolämischer Schock: Durch massiven Blut- oder Flüssigkeitsverlust.
- Kardiogener Schock: Das Herz kann nicht mehr genügend Blut pumpen.
- Septischer Schock: Schwere Infektion führt zu Blutdruckabfall und Organversagen.
- Anaphylaktischer Schock: Schwere allergische Reaktion.
- Toxisches Schocksyndrom (TSS): Durch bakterielle Toxine verursacht.
- Thermoschock: Materialversagen bei drastischen Temperaturänderungen (technischer Kontext).
- Schocktherapie: Kontrollierte Induktion eines Schockzustands in der Psychiatrie.
Herz-Atem-Stillstand (PCR)
Der Stillstand von Atmung und Herzschlag kann durch Trauma, Stromschlag, Ertrinken oder Vergiftung verursacht werden. Bei einer Atemwegsblockade durch Fremdkörper sind Thoraxkompressionen und das Heimlich-Manöver („Bear Hug“) anzuwenden. Professionelle Hilfe folgt Protokollen zur erweiterten Lebensrettung (ACLS), sofern keine Patientenverfügung (DNR) vorliegt.
Erste Hilfe bei Wunden und Blutungen
Erste Hilfe umfasst alle Maßnahmen am Unfallort mit verfügbaren Mitteln bis zum Eintreffen des Fachpersonals.
Ziele der Ersten Hilfe
- Lebenserhaltung
- Vermeidung von Komplikationen
- Förderung der Genesung
- Sicherstellung des Transports ins Krankenhaus
Grundsätze: Schützen – Alarmieren – Helfen
- Schützen: Eigensicherung und Absicherung der Unfallstelle.
- Alarmieren: Notruf absetzen (Ort, Anzahl Verletzte, Zustand).
- Helfen: Durchführung der notwendigen Maßnahmen nach korrekter Beurteilung.
Arten von Wunden
- Offene Wunden: Schürfwunden (Abrasion), Schnittwunden, Stichwunden, Risswunden (Lazeration), Bisswunden, Pfählungsverletzungen.
- Geschlossene Wunden: Stumpfe Traumen, Quetschungen, Hämatome.
- Spezialformen: Schusswunden, Lappenwunden, infizierte Wunden.
Schritte zur Wundversorgung
- Erkennung: Tiefe und Ort der Wunde beurteilen.
- Reinigung: Mit fließendem Wasser spülen.
- Blutstillung: Direkter Druck mit sauberem Tuch oder Gaze.
- Infektionsschutz: Desinfektion (z. B. Povidon-Jod) und steriler Verband.
- Kontrolle: Auf Rötung, Schwellung oder Eiter achten.
Methoden zur Blutstillung
- Direkter Druck: Festes Aufdrücken einer Kompresse.
- Hochlagern: Die betroffene Extremität über Herzhöhe lagern.
- Druckpunkte: Kompression der zuführenden Arterien.
Was ist ein medizinischer Notfall?
Was ist ein Notfall? |
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Dringlichkeit das unvorhergesehene Vorkommen eines Problems, das eine sofortige Aufmerksamkeit erfordert, da es das Subjekt oder dessen Familie belastet. |
Ein medizinischer Notfall ist jede Situation, die eine sofortige medizinische Intervention erfordert. Die unangemessene Nutzung von Notdiensten belastet das Gesundheitssystem und entzieht Ressourcen für echte Notfälle. Es wird unterschieden zwischen:
- Notfall: Unmittelbare Lebensgefahr oder Gefahr für Organfunktionen.
- Dringlichkeit: Erfordert zeitnahe Hilfe, ist aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich.