Vitalzeichen und Schmerzbeurteilung: Ein Leitfaden
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Blutdruck: Definition und Normalwerte
Definition: Die Kraft, die das Blut gegen einen Bereich der Arterienwand ausübt. Der Blutdruck ist ein wichtiger Indikator für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
- Systolischer Druck: Entspricht der Kammersystole und der Herzleistung; er spiegelt Veränderungen in den arteriellen Gefäßen wider.
- Diastolischer Druck: Entspricht der Ventrikeldiastole (Entspannung) und stellt den Basisdruck des Kreislaufsystems dar.
Normalbereich bei Erwachsenen: Systolisch 120–139 mmHg, diastolisch 60–89 mmHg.
Der Puls: Merkmale und Herzzeitvolumen
Definition: Der Puls beschreibt die Passage von Blut durch eine Arterie, die an einer oberflächlichen Stelle komprimiert werden kann. Durch die Kontraktion des linken Ventrikels wird Blut durch die Arterien im ganzen Körper gepumpt; diese Welle ist der Puls.
Das Herzzeitvolumen ist das Volumen an Blut, das vom Herzen in einer Minute gepumpt wird (Frequenz x Schlagvolumen). Bei einem Erwachsenen pumpt das Herz ca. 5.000 ml Blut pro Minute.
Normalbereich bei Erwachsenen: 60–100 Schläge pro Minute.
Merkmale des Pulses
- Frequenz: Anzahl der Schläge pro Minute (LPM). Diese kann bei Krankheiten variieren und ist abhängig von Alter, Geschlecht, Größe, körperlicher Aktivität, Medikamenten und dem emotionalen Zustand.
- Eukardie oder Normokardie: Normaler Herzschlag.
- Bradykardie: Frequenz unter der Untergrenze.
- Tachykardie: Frequenz über der Obergrenze.
- Rhythmus: Bezieht sich auf das Muster der Schläge.
- Regulär: Gesunder Rhythmus.
- Unregelmäßig: Extrasystolen, Arrhythmien oder komplette Blöcke; Unordnung in den Intervallen.
- Spannung: Grad der Komprimierbarkeit der Arterienwand.
- Milde/Niedrige Spannung: Puls verschwindet bei leichtem Druck.
- Hohe Spannung: Puls verschwindet erst bei erhöhtem Druck.
- Größe: Entspricht dem Blutvolumen, das während der Ventrikelkontraktion gegen die Arterienwand getrieben wird.
- Voll oder stark.
- Filiform oder schwach: Kein Völlegefühl oder definierter Impuls.
- Unwahrnehmbarkeit: Nicht fühlbar oder hörbar.
Atmung: Belüftung und Atemfrequenz
Definition: Messung des externen Prozesses mit zwei Bewegungen: Inspiration (Einatmen, Aufnahme von Luft) und Exspiration (Ausatmen, Ausstoßen der Luft). Die Qualität und Effizienz der Belüftung wird durch Geschwindigkeit, Tiefe und Rhythmus der Atembewegungen angegeben.
Merkmale der Atmung
- Frequenz: Anzahl der Zyklen pro Minute.
- Eupnoe: Normale Atemfrequenz, Amplitude und Rhythmus ohne Anstrengung, Lärm oder Schmerzen.
- Normalbereich bei Erwachsenen: 12 bis 20 Atemzüge pro Minute.
- Bradypnoe: Abnahme der Zyklen pro Minute unter den Normalwert.
- Tachypnoe: Erhöhte Anzahl der Zyklen pro Minute über den Normalwert.
- Rhythmus: Regelmäßigkeit der Atemzüge (Inspiration/Exspiration) mit geringen Abweichungen in den Pausen (regulär oder irregulär).
- Symmetrie: Gleichmäßige Mobilität beider Seiten des Thorax ohne Wechsel.
- Amplitude: Volumen der Luft, das bei jedem Zyklus ein- und ausgeatmet wird (oberflächlich, tief oder normal).
Körpertemperatur: Regulation und Messung
Definition: Die Körpertemperatur ist die Differenz zwischen der durch Körperprozesse erzeugten Wärme und der an die Umgebung abgegebenen Wärme.
Bei erhöhter Temperatur werden Mechanismen wie Vasodilatation, Hyperventilation und Schwitzen aktiviert, um den Wärmeverlust zu fördern. Wärme geht verloren durch:
- Verdunstung (Schwitzen)
- Strahlung (Wärmeübertragung an kühlere Objekte)
- Leitung (direkter Kontakt)
- Konvektion (Luftbewegung)
Fällt die Temperatur, werden der Stoffwechsel erhöht und krampfartige Kontraktionen (Schüttelfrost) aktiviert. Der anteriore Hypothalamus kontrolliert den Wärmeverlust, der posteriore Hypothalamus die Wärmeerzeugung.
Normalbereiche bei Erwachsenen:
- Axillar: 36,0–36,9 °C
- Rektal: 37,0–37,5 °C
- Oral: 36,2–37,8 °C
Merkmale der Temperaturveränderung
- Beginn: Abrupt/plötzlich oder langsam/schrittweise.
- Intensität: Fieberhaft (37,6–38,9 °C) oder Hyperthermie (≥ 39,0 °C).
- Tägliche Oszillation:
- Kontinuierlich: Konstantes Fieber mit Schwankungen < 1 °C.
- Remittierend: Tägliche Variationen, ohne den Normalwert zu erreichen.
- Intermittierend: Tägliche Schwankungen, die mindestens einmal in 24 Stunden den Normalwert erreichen.
- Rekurrent: Wechsel von Fiebertagen mit fieberfreien Tagen.
Schmerz: Definition und Beurteilung
Definition: Unangenehme sensorische und emotionale Erfahrungen, die mit bestehenden oder potenziellen Gewebeschäden assoziiert sind oder in Form solcher Schäden beschrieben werden.
Beurteilung des Schmerzes
Die Schmerzbeurteilung sollte in die routinemäßige Überwachung integriert werden:
- Vorhandensein und Lokalisation prüfen.
- Intensität bewerten.
- Wirkung der Schmerztherapie und Nebenwirkungen prüfen.
- Einflussfaktoren berücksichtigen: Kultur, Alter, Religion, Geschlecht, frühere Erfahrungen und emotionale Faktoren.
Arten von Schmerz
- Nach zeitlicher Entwicklung:
- Akuter Schmerz: Vorübergehend nach einer Läsion (z. B. Wehen, postoperativ, Nierenkolik).
- Chronischer Schmerz: Anhaltend > 6 Monate, oft unerträgliches Leiden.
- Nach Physiologie:
- Somatischer Schmerz: Aktivierung von Rezeptoren in Haut, Knochen und Weichgewebe (dumpf, gut lokalisierbar).
- Eingeweideschmerz (Viszeral): Durch Kompression oder Dehnung der Eingeweide; oft begleitet von Übelkeit, Schwitzen oder Tachykardie.
- Nach Leitungsgeschwindigkeit:
- Langsam (C-Fasern): Dumpf, diffus.
- Schnell (A-Delta-Fasern): Präzise und lokalisiert.
- Nach Quelle: Nozizeptiv (anatomisch/physiologisch) oder psychologisch (emotional).
- Nach Standort:
- Oberflächlich: Stechend oder brennend (z. B. Verbrennung).
- Übertragener Schmerz (Referred Pain): Schmerz in einem Bereich fernab des Ursprungsorts (z. B. rechter Arm bei Herzinfarkt).
Objektive Beurteilungsskalen
- Deskriptive Skala: Kein Schmerz (0), mild (1), mäßig (2), stark (3).
- VAS (Visuelle Analogskala): Eine Linie von „kein Schmerz“ bis „schlimmster vorstellbarer Schmerz“.