Die Weimarer Republik: Von der Revolution zur Krise
Eingeordnet in Geschichte
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,71 KB
Der Zusammenbruch des Kaiserreichs und die Novemberrevolution
Im Spätherbst des Jahres 1918 musste die Oberste Heeresleitung (OHL) ihre militärische Niederlage im Ersten Weltkrieg eingestehen (29. September). Dies kam für viele nach jahrelanger Kriegspropaganda völlig überraschend. Es wurde eine neue Regierung unter Reichskanzler Prinz Max von Baden gebildet. Um den amerikanischen Forderungen nach Demokratisierung zu entsprechen, wurde die konstitutionelle Monarchie in eine parlamentarische Demokratie umgewandelt.
Der Matrosenaufstand und das Ende der Monarchie
Obwohl es an der militärischen Niederlage keine Zweifel mehr gab, planten die Admiräle der noch intakten Hochseeflotte einen letzten Angriff gegen England. Dies führte am 29. Oktober zu spontanen Gehorsamsverweigerungen der Matrosen. Die daraufhin erfolgten Festnahmen lösten eine Welle der Solidarität aus, die zur Ausbreitung der Bewegung führte. Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen vielerorts die politische Macht.
Am 9. November forderten Demonstranten in Berlin die Abdankung des Kaisers. Als dieser zögerte, verkündete Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung und übertrug sein Amt dem SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Noch am selben Tag rief Philipp Scheidemann (SPD) die Republik aus und kam damit Karl Liebknecht (Spartakusbund), der die sozialistische Republik proklamierte, nur wenige Stunden zuvor.
Die Gründung der Weimarer Republik
Am 19. Januar 1919 erfolgten die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung, bei denen erstmals auch Frauen ein aktives und passives Wahlrecht besaßen. Am 6. Februar trat die Nationalversammlung in Weimar zusammen und ernannte Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten. Die Regierung unter Philipp Scheidemann bildete sich aus SPD, DDP und Zentrum und wurde als Weimarer Koalition bekannt.
Die Verfassung und der Versailler Vertrag
Der Reichspräsident wurde mit umfangreichen Befugnissen ausgestattet: Er konnte den Reichstag auflösen und durch Artikel 48 („Notverordnungsgesetz“) Maßnahmen zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung treffen.
Das Versailler Friedensdiktat übertrug Deutschland in Artikel 231 die alleinige Kriegsschuld. Dies bildete die Grundlage für:
- Gebietsabtretungen
- Die Aufgabe aller Kolonien
- Militärbeschränkungen
- Reparationszahlungen
Viele Deutsche gaben den demokratischen Parteien die Schuld an den Kriegsfolgen. Die Vertreter der „Weimarer Koalition“ wurden als „Vaterlandsverräter“ diffamiert, und die Dolchstoßlegende diente als politische Waffe.
Krisenjahre und politische Instabilität
Im Jahr 1920 misslang der Kapp-Lüttwitz-Putsch von Freikorpsführern, die sich gegen die Auflösung ihrer Verbände wehrten. Neben innenpolitischen Problemen belasteten finanzielle Schwierigkeiten die junge Republik schwer. Als Deutschland 1921/22 einen Teil der Reparationsforderungen nicht bedienen konnte, besetzten französisch-belgische Truppen das Ruhrgebiet. Der daraufhin einsetzende Ruhrkampf (passiver Widerstand) verschlang enorme Summen, sodass die Regierung den Kampf abbrechen musste.
Im Jahr 1923 wurde die Rentenmark eingeführt, um die galoppierende Inflation zu stoppen. Durch die Deckung der Währung mit dem Grund und Boden des Deutschen Reiches konnte die Geldentwertung gestoppt werden.
Das Einlenken im Ruhrkampf wurde von nationalistischen Kräften als Schwäche gewertet. Adolf Hitler sah darin seine Chance zur Machtübernahme. Am 8. und 9. November 1923 misslang jedoch der Hitler-Ludendorff-Putsch, woraufhin Adolf Hitler inhaftiert wurde.