Weinherstellung und Weinkunde: Ein umfassender Leitfaden

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Der Prozess der Weinherstellung

  • Entrappen: Der Winzer entscheidet, ob die Beeren von den Stielen getrennt werden oder die ganzen Trauben direkt gepresst werden.
  • Mahlen (Maischen): Die Beeren werden mit Walzen zerquetscht, damit der Saft später besser austreten kann.
  • Weiterverarbeitung: Der entstandene Brei (Maische) wird entweder sofort gepresst oder für kurze Zeit stehen gelassen, um Aromastoffe zu lösen.
  • Mostgewinnung: Der Saft (Most) wird von den festen Resten (Trestern) getrennt.
  • Vorgang: Zuerst fließt Saft durch Eigengewicht ab, danach wird der Rest per Luftdruck herausgepresst.
  • Reinigung: Trübstoffe setzen sich ab oder werden maschinell entfernt.
  • Umwandlung: Hefen verwandeln Zucker bei mindestens 15 °C in Alkohol und Kohlensäure.
  • Temperatur: Tanks werden meist gekühlt (unter 35 °C), damit die Hefen nicht absterben.
  • Ende: Die Gärung stoppt, wenn der Zucker verbraucht ist oder ca. 15 Vol.-% Alkohol erreicht sind.
  • Trennung: Der klare Jungwein wird vom Bodensatz (tote Hefe) in neue Behälter umgefüllt.
  • Schutz: Schwefel wird hinzugefügt, um den Wein haltbar zu machen und das Aroma zu fördern.
  • Behälter: Wein reift in Holzfässern, Kunststoff- oder Stahltanks.
  • Schönen: Letzte Trübstoffe werden durch Zusätze entfernt (Stabilisieren).
  • Cuvée: Das Mischen verschiedener Weine sorgt für den gewünschten Geschmack.
  • Abfüllung: Nach einer letzten Filtration wird der Wein in Flaschen gefüllt.
  • Ruhe: Nach der Abfüllung muss der Wein noch eine Zeit lang ruhen.

Was ist Schaumwein?

  • Definition: Ein weinhaltiges Getränk, das durch Kohlensäure unter Druck steht.
  • Herstellung: Meistens durch eine zweite Gärung. Ausnahmen sind die Herstellung aus nur einer Gärung oder durch das Zusetzen von Kohlensäure (Imprägnierverfahren).

Die Cuvée-Bereitung (Mischung)

  • Assemblage: Um jedes Jahr die gleiche Qualität und den gleichen Geschmack zu garantieren, werden oft viele verschiedene Grundweine (verschiedene Rebsorten, Lagen, Jahrgänge) zu einer Cuvée gemischt.
  • Jahrgangsangabe:
    • Normalerweise haben Schaumweine keine Jahrgangsangabe.
    • Nur wenn mindestens 85 % der verwendeten Weine aus einem Jahr stammen, darf ein Jahrgang auf der Flasche stehen.

Methoden der Schaumweinherstellung

  • Traditionelle Flaschengärung: Die zweite Gärung findet direkt in der Verkaufsflasche statt. Höchste Qualität (Champagner, Cava); 9–15 Monate Hefekontakt.
  • Transvasierverfahren: Gärung in der Flasche, aber die Hefe wird im Tank gefiltert. Mischform; muss mind. 90 Tage auf der Hefe liegen.
  • Tankgärverfahren: Die gesamte Gärung findet in großen Drucktanks statt. Kostengünstiger; für Prosecco oder preiswerten Sekt.
  • Imprägnierverfahren: Kohlensäure wird künstlich „eingepritzt“. Einfachste Methode; für Billig-Schaumwein (muss deklariert werden).

Wichtige Begriffe der Weinkunde

  • Traubenmost: Saft der abgepressten Trauben.
  • Traubensaft: Traubenmost, der pasteurisiert wurde (auf ca. 65 °C erhitzt).
  • Maische: Gequetschte Trauben.
  • Trester: Feste Bestandteile der abgepressten Maische.
  • Jungwein: Wein nach abgeschlossener Gärung; Jungwein ist nicht trinkbar – er muss zuerst noch gelagert werden.
  • Sauser: Traubenmost, der sich in Gärung befindet.
  • Drusen/Hefe: Rückstände im Tank oder Fass nach der Gärung. Diese werden zu Drusen- oder Hefebranntwein destilliert; französische Bezeichnung: Eau de vie de lie.
  • Traubentrester-Destillate: Marc, Grappa.

Weindestillate

  • Cognac und Armagnac: Geschützte Namen; nur Destillate aus bestimmten Regionen dürfen so bezeichnet werden.
  • Brandy: Destillate aus Italien, Spanien etc.
  • Asbach Uralt: Aus Deutschland.
  • Vecchia Romagna: Aus Italien.
  • Carlos I: Aus Spanien.
  • Weinessig: Ein Gärungsessig; Essigbakterien wandeln den Alkohol in Säure um.

Besondere Weinstile und Ausbau

  • Roséwein: Blaue Trauben bleiben kurz (1–2 Tage) auf der Maische, um wenig Farbe zu lösen.
  • Blanc de Noir: Blaue Trauben werden direkt gepresst, damit der Saft weiß bleibt.
  • Schillerwein: Blaue und weiße Trauben werden zusammen gemischt und gepresst (kein nachträglicher Verschnitt).
  • Rotwein: Hier findet eine Maischegärung statt. Die Schalen werden mitvergoren, um Farbstoffe (Oenin) und Gerbstoffe (Tannine) zu lösen.
  • Biologischer Säureabbau (BSA): Milchsäurebakterien wandeln aggressive Apfelsäure in mildere Milchsäure um, was den Rotwein runder macht.
  • Kleine Fässer (Barriques): Da das Verhältnis von Holzoberfläche zu Weininhalt hier sehr groß ist, wird der Geschmack stark beeinflusst.
  • Geschmackskomponenten: Das Holz gibt Aromen an den Wein ab, die oft als rauchig, herb oder nach Vanille schmeckend beschrieben werden.
  • Reifung: Durch die winzigen Poren im Holz gelangt minimal Sauerstoff an den Wein, was ihm hilft, stabiler und komplexer zu werden.

Süßweine und Prädikate

  • Süßweine: Enthalten viel unvergorenen Restzucker aus sehr reifen Trauben.
  • Spätlese: Vollreife Trauben, goldgelbe Farbe, ausgeprägter Rebsortencharakter.
  • Auslese: Goldgelb, milder Geschmack, oft mit edelfaulem Aroma (Edelfäulepilz).
  • Beerenauslese (BA): Aus überreifen und edelfaulen Beeren, tief goldgelb.
  • Strohwein: Trauben lagern vor dem Pressen mindestens drei Monate auf Stroh oder Schilf.
  • Eiswein: Lese und Pressung bei mindestens -7 °C von natürlich gefrorenen Trauben.
  • Trockenbeerenauslese (TBA): Aus rosinenartig eingetrockneten, edelfaulen Beeren; sehr extraktreich und lange lagerfähig.

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