Die Welt der Wirbeltiere: Merkmale und Klassen
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Wirbeltiere (Vertebrata)
Die Wirbeltiere weisen eine bilaterale Symmetrie auf und besitzen einen Schädel, der das Gehirn schützt, sowie ein knorpeliges oder knöchernes Skelett inklusive der Wirbelsäule. Der typische Wirbeltierkörper ist in drei Regionen unterteilt: Kopf, Rumpf und Schwanz.
Der Stamm der Chordatiere (Chordata)
Wirbeltiere gehören zum Stamm der Chordata (Deuterostomia) und zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
- Bilaterale Symmetrie und ein segmentierter, triploblastischer Körper (drei Keimblätter).
- Ein gut entwickeltes Zölom (in manchen Gruppen sekundär verloren).
- Ein hollow, rohrförmiger Nervenstrang (Neuralrohr), der dorsal zum Darm liegt. Daraus entwickeln sich bei komplexeren Tieren das Gehirn und das Rückenmark.
- Die Chorda dorsalis: Eine Stützstruktur im Rücken, die bei einigen Gruppen lebenslang besteht, bei anderen jedoch durch die Wirbelsäule ersetzt wird.
- Kiemenspalten (Pharyngotremata) in einem bestimmten Entwicklungsstadium. Bei landlebenden Wirbeltieren gehen diese im adulten Stadium verloren.
- Ein Endostyl im Pharynx (bei Urochordata und Cephalochordata) oder dessen Homolog, die Schilddrüse, bei Wirbeltieren.
- Ein vollständiger Verdauungstrakt mit spezialisierten Regionen (Mund und Anus).
- Ein ventral zum Verdauungstrakt gelegenes Herz.
- Segmentierte Muskulatur und ein postanaler Schwanz in einem Entwicklungsstadium.
- Sexuelle Fortpflanzung, meist mit getrennten Geschlechtern.
- Radiale, subequale holoblastische Furchung und oft ein Kaulquappen-Larvenstadium.
Fische (Pisces)
- Der Körper ist meist mit Schuppen bedeckt.
- Die Extremitäten sind als Flossen ausgebildet; der Körper endet in einer Schwanzflosse.
- Das Skelett ist das einfachste unter den Wirbeltieren. Die meisten Fische haben ein Knochenskelett, während Haie und Rochen ein flexibles Knorpelskelett besitzen.
- Sie sind wechselwarm (ektotherm), ihre Körpertemperatur hängt von der Wassertemperatur ab.
- Die meisten besitzen eine Schwimmblase, die den Auftrieb reguliert.
- Die Atmung erfolgt über Kiemen, die aus dünnen Lamellen hinter dem Kopf bestehen und Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen.
Amphibien (Lurche)
Bei Amphibien ist der Kopf direkt mit dem Rumpf verbunden (kein Hals). Sie besitzen Augen mit Lidern, Nasenöffnungen und oft Parotiden (Ohrdrüsen). Ihre Haut ist nackt, ohne Schuppen oder Haare, und wird regelmäßig durch Häutung erneuert.
- Hautdrüsen: Schleimdrüsen halten die Haut feucht, während Giftdrüsen der Abwehr dienen.
- Färbung: Oft kryptisch (Tarnung) zur Anpassung an die Umgebung.
- Anatomie: Ein großer Mund, oft mit schwachen Zähnen. Die Zunge ist fleischig und bei einigen Gruppen vorne angewachsen, sodass sie zum Beutefang herausgeschleudert werden kann.
- Kloake: Gemeinsamer Ausgang für Verdauungs-, Harn- und Fortpflanzungssystem.
- Fortpflanzung: Meist im Wasser mit Larvenstadien (Kaulquappen). Erwachsene leben oft semi-terrestrisch.
Reptilien (Kriechtiere)
- Terrestrische Wirbeltiere, deren Körper mit Schuppen, Schilden oder Hornplatten bedeckt ist.
- Besitzen kurze seitliche Gliedmaßen oder sind gliedmaßenlos (Schlangen).
- Sie sind wechselwarm und halten oft einen Winterschlaf.
- Atmung erfolgt primär über die Lunge.
- Fortpflanzung über Eier mit interner Befruchtung.
- Das Herz besteht aus zwei Vorhöfen und einer Kammer mit unvollständiger Trennung.
Vögel (Aves)
Vögel sind gleichwarme (endotherme) Wirbeltiere. Ihre Vordergliedmaßen sind zu Flügeln umgewandelt. Obwohl nicht alle Arten fliegen können, ist ihre Anatomie stark darauf ausgerichtet.
- Der Körper ist mit Federn bedeckt.
- Sie besitzen einen zahnlosen Hornschabel.
- Sie legen Eier, die ausgebrütet werden.
- Vögel besiedeln nahezu alle Biome und Ozeane weltweit.
Säugetiere (Mammalia)
Säugetiere zeichnen sich durch ein Haarkleid und Milchdrüsen zur Aufzucht der Jungen aus.
- Sie besitzen Lippen und Zähne (bei Walen teilweise durch Barten ersetzt).
- Die Gliedmaßen sind meist als Beine, bei aquatischen Arten als Flossen und bei Fledertieren als Flügel ausgebildet.
- Sie sind gleichwarm (warmblütig) und atmen durch Lungen.
- Der Blutkreislauf ist doppelt und vollständig getrennt.
- Die meisten Arten sind lebendgebärend (vivipar).
Fleischfresser (Carnivora)
- Kopf: Kleine, steife Ohren mit gutem Gehör; Augen mit anpassungsfähigen Pupillen; Schnauze mit Tasthaaren (Schnurrbart).
- Gebiss: Gut entwickelte Eckzähne (Fangzähne) und Reißzähne.
- Körper: Flexibler Stamm; Beine mit Pfotenballen für lautlose Fortbewegung; oft einziehbare Krallen.
- Verdauung: Einfacher Magen, keine Kloake vorhanden.
Pflanzenfresser (Herbivoren)
Ihre Gliedmaßen sind oft für die Flucht (Rennen) angepasst. Viele besitzen einen spezialisierten Magen, der in vier Abteilungen (Pansen, Netzmagen, Blättermagen, Labmagen) unterteilt ist, um pflanzliche Nahrung effizient zu verdauen (Wiederkäuer).
Wasserlebende Säugetiere
Diese Säugetiere haben ihre Gliedmaßen zu Flossen umgewandelt. Ihr Schwanz ist kräftig für den Vortrieb, während die Beckengliedmaßen oft rückgebildet sind.
Primaten
Primaten sind Plazentatiere mit einem vollständigen Gebiss und einer omnivoren Ernährung. Merkmale sind:
- Greifhände und -füße mit opponierbarem Daumen.
- Nach vorne gerichtete Augen für räumliches Sehen.
- Ein Paar Brustdrüsen.
- Meist eine baumbewohnende Lebensweise.