Wesen, Organisation und Entwicklung politischer Macht
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Definition und Merkmale der Macht
1. Die Macht ist die Fähigkeit eines Individuums, einer Gruppe oder einer Institution, den Willen anderer zu konditionieren oder zu bestimmen. Sie drückt sich auf vielfältige Weise aus, zum Beispiel als wirtschaftliche, soziale, kulturelle oder religiöse Macht. Die politische Macht, also die Macht des Staates, ist durch zwei wesentliche Elemente gekennzeichnet:
- a) Sie wird von Personen gehalten, die die Gemeinschaft repräsentieren und in deren Namen handeln.
- b) Sie verwaltet die Interessen der Gemeinschaft (aller Bürger).
Das Verhältnis von Herrschern und Beherrschten
2. Die Macht verbindet zwei Extreme: jemanden, der Befehle erteilt, und jemanden, der gehorcht. Die politische Macht vereint diese zwei Pole in Form von Herrschern (diejenigen, die anweisen) und Regierten (diejenigen, die gehorchen). Die politische oder staatliche Macht ist eine souveräne Macht. Souveränität bedeutet höchste, oberste Autorität und endgültige Entscheidungsgewalt, über der es keine andere Instanz gibt. Nur die Macht des Staates ist eine souveräne Macht.
Begrenzung der Macht und Rechtsstaatlichkeit
3. Ihrem Wesen nach neigt die politische Macht dazu, sich zu weit auszudehnen. Wenn dies geschieht, wird die Macht zur Tyrannei (nach Loewenstein). Um dies zu vermeiden, gibt es Techniken und Systeme zur Steuerung und Begrenzung der Macht. Moderne Verfassungen spiegeln zwei sehr wichtige Prinzipien wider: die Gewaltenteilung (nach Montesquieu) sowie die Anerkennung und den Schutz der Grundrechte. Das Endziel dieser Systeme ist die Rechtsstaatlichkeit, also dass der Staat das Gesetz respektiert und erfüllt.
Die Organisation der politischen Macht
4. Laut Herman Heller ist die politische Macht eine organisierte Macht. Dies bedeutet, dass sie aus einer Reihe von Einrichtungen und Institutionen besteht, die bestimmte Funktionen erfüllen (objektive Dimension der Organisation). Auf der anderen Seite ist die politische Macht darauf angewiesen, effektiv zu sein oder sich in Gruppen und Institutionen der Zivilgesellschaft zu verstetigen (subjektive Kraft in Bezug auf die Organisation). Innerhalb der organisatorischen Struktur jedes Staates nehmen Personen (wie Premierminister, Staatschefs, Minister, Abgeordnete oder Richter) einen Platz ein und führen eine diskrete Funktion gemäß einem hierarchischen System von Positionen aus (subjektive Macht in der Organisation).
Historische Modelle der Macht nach Burdeau
5. Nach Burdeau gab es im Laufe der Geschichte drei Arten oder Modelle der Macht:
- a) Anonyme Macht: Eine diffuse, schlecht organisierte Macht, die typisch für frühe oder primitive Gesellschaften ist. Die soziokulturelle Grundlage dieser Form ist die Existenz einheitlich geteilter religiöser Überzeugungen und moralischer Vorstellungen.
- b) Individualisierte Macht: Ihr Prototyp ist die Macht des Feudalherrn über seine Vasallen oder Untertanen. In diesem Fall ist die Beziehung zwischen Herrschern und Beherrschten persönlich und basiert auf einer Art Herrschaftsvertrag sowie dem Vertrauen der Untergebenen in ihren Herrn.
- c) Institutionalisierte Macht: Dies ist das Merkmal moderner Systeme. Das Wesen dieser Kraft liegt in ihrem abstrakten und anonymisierten Charakter. Der moderne Staat ist das beste Beispiel für diese Idee.