Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur im Spanien des 19. Jh.

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Wirtschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert

Die spanische Wirtschaft erlebte im 19. Jahrhundert, insbesondere in der zweiten Hälfte, einige Veränderungen, die jedoch weniger bedeutend waren als im übrigen Europa.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft bildete das Fundament der Wirtschaft. Nach einer Phase der Produktionssteigerung und der Ausweitung des Getreideanbaus erlebte der Weinbau durch die Reblauskrise einen schweren Rückschlag.

Industrialisierung

Die Industrialisierung verlief langsam und verspätet:

  • Textilindustrie: Trotz innovativer Ansätze bei Wolle und Seide gelang die Modernisierung der Industrie nicht, was zu einem starken Rückgang führte.
  • Stahlindustrie: Ein Modernisierungsprozess begann mit der Gründung kapitalstarker Unternehmen, doch Probleme wie geringe Nachfrage und Treibstoffmangel blieben bestehen.
  • Industriezentren: Katalonien (Textil), Vizcaya und Asturien (Stahlindustrie durch Eisenexporte) entwickelten sich zu den wichtigsten Standorten.

Gesellschaftsstruktur

Die Gesellschaft entwickelte sich von einer geschichteten Struktur hin zu einer Klassengesellschaft:

  • Oligarchie: Der Adel behielt durch politische Ämter und umfangreichen Landbesitz großen Einfluss.
  • Bürgertum: Das gewerbliche und industrielle Bürgertum war schwach ausgeprägt und oft in landwirtschaftliche oder administrative Aufgaben eingebunden.
  • Arbeiterschaft: Bauern und das Proletariat litten unter geringem Wirtschaftswachstum und einer hohen Analphabetenrate.

Soziale Konflikte

Anstrengende Arbeitszeiten, niedrige Löhne und prekäre Wohnverhältnisse führten zu zwei ideologischen Strömungen:

  • Sozialismus: Verbreitung durch die PSOE (gegründet 1879) und die Gewerkschaft UGT (1888).
  • Anarchismus: Organisiert in Gewerkschaften, wobei teilweise gewaltsame Methoden angewandt wurden.

Kulturelle Strömungen

Die literarische Entwicklung war geprägt von:

  • Romantik: Streben nach Freiheit und Liebe.
  • Realismus: Beschreibung der sozialen Realität des Landes.
  • Moderne: Geprägt durch das Werk von Rubén Darío.
  • Generation von 98: Entstanden als Reaktion auf die Katastrophe von 1898.

In der Musik sind besonders Albéniz und de Falla hervorzuheben.

Kunst und Architektur

Architektur

  • Historismus: Mischung verschiedener Stile (z. B. Teatro Real, Nationalbibliothek).
  • Moderne: Einsatz neuer Materialien wie Eisen und innovative Designs, maßgeblich geprägt durch Gaudí (z. B. Casa Milà).

Bildhauerei

  • Realismus: Fokus auf Naturalismus (Bellver und Benlliure).
  • Modernismus: Spiel mit Licht, Schatten und welligen Formen (Llimona).

Malerei

  • Romantik: Porträts und Landschaftsmalerei (Madrazo und Bécquer).
  • Realismus: Reflexion der gesellschaftlichen Realität (Martí Alsina).
  • Historienmalerei: Rekonstruktion der historischen Vergangenheit.

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