Wirtschaft und Urbanisierung im Ancien Régime
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Punkt 2: Spätfeudalismus, Übersee-Expansion und Finanzierung
Neben der Agrarwirtschaft entwickelte sich in den entwickelten Regionen eine städtische Dimension. Diese basierte primär auf sekundären und tertiären Tätigkeiten, die durch ein städtisches System – insbesondere durch den Handel und den kolonialen Austausch – geprägt waren. Diese industrielle Basis bildete in einigen Fällen den Ursprung der späteren Industriellen Revolution.
A) Die Funktionalität europäischer Städte im Ancien Régime
In einer weitgehend landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft war die Rolle der Städte begrenzt. Dennoch gab es zwei wesentliche Veränderungen:
- Eine Verschiebung des städtischen Europas von Süden nach Norden.
- Ein leichter Anstieg der städtischen Bevölkerung (im Jahr 1500 gab es vier Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern; bis 1880 stieg diese Zahl auf 25).
Die Stadt unterschied sich in zwei Punkten von der ländlichen Welt:
- Demografische Modelle: Geringere Geburtenraten, eine andere Betroffenheit durch Sterblichkeitskrisen (Epidemien, Hunger) und kleinere Familienstrukturen.
- Geburtenkontrolle: Die Mechanismen unterschieden sich von ländlichen Gebieten, da Städte Migrationsbewegungen anzogen oder abstießen, abhängig von der wirtschaftlichen Aktivität.
Städte dieser Zeit konnten ihren Arbeitskräftebedarf meist durch natürliches Wachstum oder Zuwanderung decken. Die funktionale Veränderung der Städte hing oft von spezifischen Faktoren ab:
- Verwaltungsfunktionen.
- Status als Verkehrsknotenpunkt.
- Anpassung an neue Verkehrssysteme.
- Zentrum wirtschaftlicher Aktivitäten.
- Frühe industrielle Aktivitäten (ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts).
B) Industrie vor der Industrialisierung
Die europäische Industrie vor der Industriellen Revolution wies grundlegend andere Merkmale auf als danach.
B.1 Allgemeine Merkmale der industriellen Aktivität
Die Industrieproduktion war eng mit dem städtischen Wachstum verbunden. Die Nachfrage stammte primär aus den Städten. Produziert wurden vor allem Konsumgüter des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Kleidung). Vorleistungsgüter konzentrierten sich auf die Metallindustrie (landwirtschaftliche Geräte oder Waffen).
Es handelte sich um eine Tätigkeit mit geringem technologischem Einsatz, aber hoher Arbeitsproduktivität. Oft war sie eine untergeordnete Tätigkeit im Agrarsektor, die Landwirten ein Zusatzeinkommen ermöglichte. Die Märkte waren meist lokal oder regional begrenzt.
B.2 Modelle der Industrialisierung im Ancien Régime
- Kunsthandwerkstätten: Kleine Produktionseinheiten in Städten, die den Zünften unterlagen. Diese kontrollierten Produktion und Preise. Ein Betrieb beschäftigte meist 5 bis 10 Personen.
- Verlags- oder Verlagssystem (Industrie verteilt): Hier trat das kommerzielle Kapital in die Produktion ein, um ausländische Märkte zu bedienen. Dies führte zu einer zunehmenden Ruralisierung, da bäuerliche Arbeit billiger war und die Kontrolle der Zünfte umgangen werden konnte.
- Konzentrierte Manufakturen: Große Produktionseinheiten, die Vorläufer der Fabriken des 19. Jahrhunderts waren. Sie unterschieden sich jedoch durch den geringen Einsatz von Technik und Energie sowie durch staatliche Initiativen.
Der Staat trat als Unternehmer auf, um:
- Monopole der Zünfte einzudämmen.
- Strategische Sektoren (Militär) zu kontrollieren.
- Einnahmen aus lukrativen Sektoren (z. B. Tabakherstellung) zu generieren.