Wirtschaftliche Transformation Spaniens im 19. Jahrhundert
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Ökonomische Transformation und Landwirtschaft
Die spanische Wirtschaft des 19. Jahrhunderts war durch ein langsames Wachstum im Vergleich zu anderen europäischen Ländern geprägt. Bis 1840 stagnierte die Wirtschaft oder befand sich in einer Rezession, gefolgt von einer langsamen Erholung im letzten Drittel des Jahrhunderts.
Landwirtschaftliche Transformationen
Spanien war im 19. Jahrhundert ein Agrarland. Bis Mitte der 1830er Jahre stagnierte die Produktion, die durch veraltete Pachtsysteme und eine starke Abhängigkeit von der Viehwirtschaft gekennzeichnet war. Erst danach wurden technische Innovationen und organisatorische Änderungen eingeführt.
Die Desamortisation (Enteignungen)
Das System des Landbesitzes wurde durch kirchliche und bürgerliche Enteignungen grundlegend verändert, insbesondere durch die Gesetze von Mendizábal (1836–1837) und Madoz. Die Ziele waren die Sanierung des Staatshaushalts und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität.
- Folgen: Anstieg der Zahl der Grundbesitzer, aber auch Entstehung eines landlosen ländlichen Proletariats.
- Struktur: Großgrundbesitz dominierte im Süden, während im Norden und Nordosten die kleinbäuerliche Siedlungsstruktur vorherrschte.
Weitere Agrarreformen
Wichtige Maßnahmen waren die endgültige Abschaffung der Mesta (1836) sowie die Aufhebung feudaler Abgaben und des Zehnten (1837). Es entwickelte sich eine regionale Spezialisierung (z. B. Wein, Öl und Zitrusfrüchte für den Export), bevor die Landwirtschaft im letzten Viertel des Jahrhunderts aufgrund von Importkonkurrenz in eine Krise geriet.
Spanische Industrialisierung
Die Industrialisierung verlief spät und unvollständig. Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann ein moderater Aufschwung, der nach einer Krise in den 1850er Jahren im letzten Viertel des Jahrhunderts an Fahrt gewann.
Industrielle Sektoren
- Textilindustrie: Der katalanische Sektor war Vorreiter, begünstigt durch Protektionismus und technische Innovationen wie die Selfactina.
- Stahlindustrie: Entwicklung von Málaga über Asturien (La Felguera) bis hin zum Zentrum in Vizcaya (Bessemer-System).
- Bergbau: Durch das Bergbaugesetz von 1868 liberalisiert, erlebte der Sektor (Blei, Kupfer, Quecksilber, Zink) einen starken Aufschwung.
Infrastruktur und Finanzwesen
Die Modernisierung der Kommunikation war entscheidend für die wirtschaftliche Ankurbelung:
- Eisenbahn: Das Eisenbahngesetz von 1855 förderte den Ausbau durch ausländisches Kapital, litt jedoch unter einer abweichenden Spurweite und einer starken Konzentration auf Madrid.
- Finanzsektor: Mit der Gründung der Banco de España (1856) und weiteren Instituten wie der Banco de Santander und Banco de Bilbao wurde das moderne Bankensystem etabliert.
Glossar:
- Selfactina: Halbautomatische Maschine, die vor allem in Textilfabriken eingesetzt wurde.
- Bessemer-System: Produktionsverfahren zur effizienten Herstellung von hochwertigem Stahl.