Wirtschaftsreformen im Spanien des 18. Jahrhunderts
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Landwirtschaft und die Reformen der Mesta
Die Interessen der Mesta (der mächtigen Schafzüchtervereinigung) wurden durch Liberalisierungsmaßnahmen beeinträchtigt. Da die Preise für Mais stiegen, entschieden sich die Eigentümer dazu, nicht weiter in Nutzpflanzen und Nutztiere zu investieren. Die Besiedlung neuer Gebiete im Jahr 1767 unter der Leitung von Pablo de Olavide beinhaltete zudem einen Plan, unbewohnte und von Banditen befallene Regionen der Sierra Morena zu kolonisieren. Dafür wurden spanische, aber auch deutsche und flämische katholische Einwanderer eingesetzt, denen der Staat Häuser, Möbel, Werkzeuge, Vieh und Saatgut kostenlos zur Verfügung stellte.
Diese Siedlungspolitik führte zur Gründung neuer Orte (wie La Carolina, Santa Elena, Guarromán, Jaén u. a.) und war ein Erfolg: Jahre später gab es mehr als 10.000 Landwirte in den neu erschlossenen Flächen.
Die Entwicklung der Industrie
Bezüglich der Industrie arbeiteten laut der Volkszählung von 1787 etwa 14 % der Beschäftigten in diesem Sektor. Am weitesten verbreitet waren traditionelle handwerkliche Werkstätten, die den Zünften unterlagen. Ein weiterer umfangreicher Sektor war die Textilindustrie. Aufgeklärte Reformer versuchten, die Fertigung zu fördern, die in Europa bereits im 17. Jahrhundert entstanden war. Der Staat gründete zahlreiche königliche Manufakturen (für Teppiche, Glas, Porzellan und Waffen) sowie Betriebe für Gebrauchsgegenstände wie Wolltuch.
Um die private Produktion zu steigern, befreite man neue Fabriken von den starren Zunftvorschriften. Im Jahr 1783 erklärte ein königliches Dekret von Karl III. alle ehrliche Arbeit für ehrenhaft. Besonders erfolgreich war die Herstellung von bedruckten Baumwollstoffen in Katalonien. In Fabriken, die Unternehmern gehörten, wurden Webstühle und Arbeiter konzentriert. Im Jahr 1789 wurden moderne Produktionstechniken eingeführt; die ersten katalanischen Webstühle ermöglichten ein starkes Wachstum.
Binnenhandel und Infrastruktur
Zuvor war der Binnenhandel unterentwickelt und stellte ein Hindernis für das Wachstum dar. Zur Verbesserung des Transports und des Handels wurde eine Politik der öffentlichen Arbeiten eingeleitet. Ziel war die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und der Bewässerung. Der Bau des Canal de Castilla wurde fortgesetzt und der Kaiserkanal von Aragonien begonnen; beide wurden im 19. Jahrhundert fertiggestellt.
Außenhandel und Kolonialpolitik
Der Außenhandel entwickelte sich weiter, indem Häfen verbessert wurden. Im Jahr 1778 weitete ein Dekret den kolonialen Freihandel auf die meisten spanischen Häfen aus. Diese Maßnahme war besonders wichtig für die Industrie in Barcelona, da sie den Kolonialhandel stimulierte und die Profite der Großhändler steigerte. Es wurden privilegierte Handelsgesellschaften gegründet, wie die Royal Society Guipuzcoana de Caracas, die auch den Anbau von Produkten wie Baumwolle und Tabak förderte.
Finanzen und das Bankwesen
Das Steuersystem änderte sich kaum, obwohl versucht wurde, Steuern wie die Umsatzsteuer zu reformieren. Aufgrund von Kriegen verschuldete sich der Staat unter Karl III. jedoch erneut. Zur Lösung dieses Problems wurde 1782 die Nationalbank von San Carlos (Vorgänger der Bank von Spanien) gegründet. Ihre Aufgabe war es, die Staatsschulden durch die Verwaltung der sogenannten königlichen Schuldscheine (Vales Reales) zu finanzieren. Diese Staatsanleihen zahlten Zinsen und konnten auch als Papiergeld verwendet werden. So entstanden die ersten Banknoten in der Geschichte Spaniens. Im Laufe der Zeit wurden viele dieser Scheine ausgegeben und verloren an Wert, blieben aber dennoch ein wichtiges Thema.
Wissenschaft und technischer Fortschritt
Technische Neuerungen wurden aktiv verbreitet. Der Staat organisierte wissenschaftliche Expeditionen und förderte technische Publikationen. Zudem wurden die Wirtschaftsgesellschaften der Freunde des Landes (Sociedades Económicas de Amigos del País) ins Leben gerufen. Diese hatten zum Ziel, die Provinzen zu studieren, den Status der einzelnen Regionen zu bestimmen sowie die Förderung von Landwirtschaft, Handel und Industrie voranzutreiben. Dies geschah auch durch die Übersetzung und Publikation ausländischer Bücher sowie die Verbreitung liberaler und physiokratischer Ideen.