Wirtschaftswachstum und Merkantilismus im Ancien Régime
Eingeordnet in Geographie
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 2,78 KB
Wirtschaftswachstum im Ancien Régime
Lange Zeit herrschte die Annahme, dass es im Ancien Régime kein Wirtschaftswachstum gab, da die Produktivität stagnierte und der Anteil der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte konstant blieb. Heute wissen wir, dass ein langsames Wachstum stattfand (ca. 50 % zwischen 1500 und 1800). Eine Ausnahme bildeten Holland und England, die ein Wachstum von 150 % verzeichneten. Dieses Wachstum konzentrierte sich vor allem auf das 18. Jahrhundert und lässt sich auf zwei Ursachen zurückführen:
- Eine Antwort auf die tiefe Wirtschaftskrise des 17. Jahrhunderts.
- Die Anfänge der Industrialisierung.
Die Krise des 17. Jahrhunderts war ein Beispiel für die Spannung zwischen Bevölkerungswachstum und begrenzten Ressourcen. Die Entdeckung Amerikas und der Zustrom von Edelmetallen führten zu einer Inflation, da die Geldmenge die Produktionskapazität überstieg. In der Folge trat das Gesetz des abnehmenden Ertrags ein, was zu einer Agrarkrise und sinkender Kaufkraft führte.
Die Rolle des Staates: Merkantilismus
Der Staat intervenierte aktiv in das Wirtschaftsgeschehen, primär durch den Merkantilismus. Dieser basierte auf folgenden Prinzipien:
- Poblacionismus: Ein bevölkerungsreicher Staat gilt als reicher.
- Edelmetallhortung: Reichtum definiert sich über die Anhäufung von Gold und Silber.
- Staatliche Förderung: Unterstützung von Industrie, Handel und Landwirtschaft.
- Positive Handelsbilanz: Maximierung der Exporte bei gleichzeitiger Minimierung der Importe.
- Stärkung des Staates: Das übergeordnete Ziel der Wirtschaftspolitik.
Die Bildung eines Welthandelsnetzes
Um 1450 existierten drei unabhängige globale Handelsnetze: der Pazifikraum, Lateinamerika und die „Alte Welt“ (Europa/Asien). Das europäische Netzwerk verband Nord- und Südeuropa durch den Austausch von Massengütern (Eisen, Holz, Getreide) und Luxusgütern (Textilien, Wein, Salz).
Wichtige historische Wendepunkte
- 1453: Fall von Konstantinopel an die Türken, was die Landwege nach Asien erschwerte.
- 1492: Entdeckung Amerikas.
Diese Ereignisse erzwangen die Suche nach neuen Routen:
- Portugiesische Route: Umsegelung Afrikas.
- Spanische Route: Westliche Überquerung des Atlantiks.
Im 17. und 18. Jahrhundert verschob sich die Kontrolle über den Welthandel von Spanien und Portugal hin zu den Niederlanden und Großbritannien. Die Briten etablierten im 18. Jahrhundert den Dreieckshandel als neues Modell des globalen Austauschs im Atlantik.