Wissenschaftliche Methoden in der Sozialen Arbeit

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Wissenschaftliche Grundlagen der Sozialen Arbeit

  • Wahrheiten ohne universelle Gültigkeit: Wahrheiten sollten offen für Versuch und Irrtum sein und auf der Zunahme verfügbarer Informationen basieren. Aufgrund der spezifischen Charakteristika des Untersuchungsgegenstandes unserer Disziplin unterscheiden sich die Vorhersagemargen und die Irrtumswahrscheinlichkeit von denen anderer Wissenschaften; dies begründet jedoch nicht deren Unwissenschaftlichkeit.
  • Wissenschaft als gesellschaftliches Produkt: Wissenschaft ist ein menschliches und somit ein gesellschaftliches Produkt. Sie kann nicht außerhalb der historischen Umstände analysiert werden, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse produziert werden. Gleichzeitig wird wissenschaftliche Objektivität intersubjektiv durch gegenseitige Kritik innerhalb einer strengen wissenschaftlichen Gemeinschaft erreicht, deren Streitigkeiten von öffentlicher Natur sind.
  • Wissenschaftliche Theorien als Konstrukte: Wissenschaftliche Theorien sind menschliche Konstrukte, mit denen Beziehungen zwischen Phänomenen hergestellt werden, um in deren Konfiguration und Verwendung zu intervenieren.

In diesem Sinne ermöglichen Forschungstechniken in den Methoden der Sozialen Arbeit (TS), dass Gruppen – je nach Thema – als wissenschaftlich betrachtet werden. Dies liegt daran, dass sie die Neutralität wahren, allgemein anerkannten Regeln der wissenschaftlichen Methode folgen, empirische sowie intersubjektive Beobachtungen nutzen und eine Wertkritik der gesellschaftlichen Wirklichkeit vornehmen.

Forschungsmethoden und Techniken in TS-Gruppen

Allgemein formuliert ist eine Methode die „Reihe von Annahmen, Erklärungen und Techniken, die Tatsachen zugänglich machen, erklären und eine sichere Kontrolle ermöglichen.“ Die Methodik wiederum ist die Beschreibung und Analyse dieser Annahmen, Erklärungen und Techniken.

Im Vergleich zu anderen Formen des Zugangs zur Realität zeichnet sich die Wissenschaft durch die wissenschaftliche Methode aus. Nach Bunge ist die wissenschaftliche Methode ein Weg, wie Menschen mit intellektuellen Problemen umgehen – es handelt sich nicht bloß um Geräte oder Instrumente. Daher kann dieses Wissen in allen Bereichen eingesetzt werden. Je nach Gegenstand der Studie erfolgt die Entwicklung spezifischer Methoden und Techniken. Nach diesem Autor bestimmt „die Natur des Untersuchungsgegenstandes die möglichen speziellen Methoden für das Forschungsthema: Das Objekt (System der Probleme) und die Kunst gehen Hand in Hand.“

Es sollte angemerkt werden, dass die wissenschaftliche Methode eine Funktion der Wissenschaft ist. Wo keine Wissenschaft existiert, ist sie nicht unfehlbar oder autark. Sie ist fehlbar, da sie durch eine Schätzung der Ergebnisse und direkte Analysen verbessert werden kann. Zudem ist sie nicht autark, da Wissen nicht im Vakuum entsteht, sondern Vorkenntnisse erfordert, die anschließend angepasst und weiterentwickelt werden.

Merkmale der wissenschaftlichen Methode

Zusammenfassend lassen sich die Merkmale der wissenschaftlichen Methode wie folgt beschreiben: Sie ist faktisch, ruht auf einem theoretischen System, hinterfragt Fakten und bewertet sie nach klaren, formalisierten und öffentlichen Regeln. Sie fördert die Kreativität und ist darauf ausgerichtet, effektive Erklärungen zu finden. Sie ist intersubjektiv, überprüfbar und beabsichtigt nicht, die letzte Wirklichkeit des Objekts vollständig zu erschöpfen. Stattdessen liefert sie ein provisorisches Wissen, das Versuch und Irrtum unterliegt. Dabei wird stets berücksichtigt, dass wir uns innerhalb eines Interpretationssystems bewegen, das epistemologische Wachsamkeit erfordert.

Wissenschaftliche Erklärungsmodelle nach Hempel

Hempel unterscheidet folgende Arten der wissenschaftlichen Erklärung:

  • Nomologisch-deduktive Erklärung: Eine deduktive Erklärung, die auf allgemeinen Gesetzen basiert. Sie stellt fest, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, wenn allgemeine Gesetze und spezifische Randbedingungen vorliegen, sodass das Auftreten des Effekts mithilfe des Gesetzes abgeleitet werden kann.
  • Statistische Erklärung: Eine Art der Erklärung, die wesentlichen Gebrauch von mindestens einem theoretischen Prinzip der Wahrscheinlichkeit oder Statistik macht.
  • Genetisch-historische Erklärung: Diese beschreibt Ereignisse, die der zu erklärenden Tatsache vorausgingen. Ein historisches Phänomen wird als Entwicklung dargestellt und durch die Beschreibung der verschiedenen Phasen dieser Entwicklung erklärt.
  • Funktionelle und teleologische Erklärung: Eine geeignete Methode für das Verständnis von zielorientiertem Verhalten. Es geht darum, ein Verhaltensmuster oder eine kulturelle Einrichtung zu verstehen, indem deren Rolle bei der Aufrechterhaltung eines Systems oder Projekts bestimmt wird.

Der Forschungsprozess in der Sozialen Arbeit

Die wichtigsten Untersuchungsmethoden im Bereich der Sozialen Arbeit (Beobachtung, Interviews, Fokusgruppen etc.) werden je nach Gegenstand der Studie und methodischem Ansatz angewendet. Abhängig von diesen Faktoren nutzen wir spezielle Techniken, die eine empirische Prüfung der leitenden Hypothesen erlauben. Der Forschungsprozess in den Sozialwissenschaften ist doppelt angelegt – theoretisch und empirisch – und folgt dieser Sequenz:

  • Hypothese: Diese muss klar, konkret und empirisch überprüfbar sein.
  • Überprüfung der Hypothese: Einbindung in eine erklärende Theorie unter Definition der Komponenten, um die Anwendung von Forschungstechniken und Tests zu ermöglichen.
  • Gesetz oder Prinzip: Wenn die Hypothese überprüft und durch Fakten bestätigt wurde, kann ein entsprechendes Gesetz oder Prinzip formuliert werden.

In TS-Gruppen dient die Analyse nicht nur der Feststellung von Regelmäßigkeiten. Ziel ist eine korrekte Diagnose der Situation, eine ordnungsgemäße Planung der Intervention sowie eine Bewertung der Ergebnisse. Hierbei wird der praktische Zweck erfüllt, der die moderne Wissenschaft seit ihrer Entstehung charakterisiert.

Spezifische Instrumente der Sozialen Arbeit

Die Soziale Arbeit hat spezifische Werkzeuge entwickelt, um ihre Aufgaben wahrzunehmen:

  • Sozialgeschichte: Ein Dokument, das umfassend Gesundheit, Wohnen, wirtschaftliche Lage, Arbeit, Bildung und die familiäre Situation eines Nutzers sowie die Diagnose, Intervention und Entwicklung festhält.
  • Die Sozialkartei (Social Tab): Ein dokumentarisches Hilfsmittel, in dem die systematisierten Informationen der Sozialgeschichte erfasst werden.
  • Der Sozialbericht (Sozialbilanz): Ein technischer Bericht, der als Dokumentationswerkzeug dient. Er basiert auf Beobachtungen und Befragungen und stellt eine Synthese aus Prüfung, technischem Bericht und einem Vorschlag für die professionelle Intervention dar.
  • Professionelles Interventionsprojekt: Die Gestaltung der sozialen Intervention. Dies umfasst eine Beurteilung der Zielgruppe, die Festlegung operativer Ziele, Aufgaben, Ressourcennutzung, Zeitplanung und Bewertungskriterien.

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