Wortschatzwandel im Althochdeutschen: Ein Überblick
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Veränderungen im althochdeutschen Wortschatz
Entstehung neuer Wörter
Um die christliche Gedankenwelt zu erklären, die den heidnischen Germanen fremd war, musste ein völlig neuer Wortschatz geschaffen werden. Missionare und Übersetzer versuchten mühsam, die unbekannten abstrakten Begriffe des christlichen Glaubens mit Mitteln der einheimischen Sprache auszudrücken.
- Umdeutung: Eine Methode, die auch heute noch zur Popularisierung neuer Ideen genutzt wird. Germanische Wörter wurden im Sinne der christlichen Lehre nach lateinischem Vorbild umgedeutet (z. B. Hölle, Gott, Jünger).
- Neubildung: Ein mühsamerer Weg war die Bildung neuer Wörter durch Zusammensetzungen oder Ableitungen nach lateinischen Mustern (z. B. Gewissen, Demut, Heiligtum).
Über Jahrhunderte hinweg wurde an diesem abstrakten Wortschatz gearbeitet, wobei stets die Fragen im Vordergrund standen: Welche Variante klingt besser, lässt sich leichter akzeptieren oder weckt positivere Assoziationen?
Die zweite lateinische Lehnwortwelle
Die Kirche und die Klosterkultur brachten zahlreiche konkrete neue Erscheinungen mit sich. In diesen Fällen wurden die lateinischen Begriffe direkt übernommen. Im Gegensatz zu älteren Lehnwörtern haben diese neueren Begriffe die zweite Lautverschiebung nicht mehr mitgemacht.
- Kirchliche Einrichtungen: Papst, Kloster, Kaplan, Pilger, Kreuz, Altar, Orgel, Zelle, predigen.
- Schriftkultur: Die Klöster vermittelten neue Schreibtechniken. Statt Runen in Holz oder Stein zu ritzen, wurde nun mit Tinte auf Pergament oder mit einem Griffel auf eine Tafel geschrieben. Urkunden wurden vom Kanzler in der Kanzlei angefertigt.
- Materielle Errungenschaften: Klöster vermittelten zudem neue Güter wie Drillich, Mantel, Teppich und Brezel.
Verlust alter Wörter
Durch den massiven Um- und Ausbau des althochdeutschen Wortschatzes verschwanden viele Erbwörter, insbesondere solche, die mit dem heidnischen Glauben in Verbindung standen (z. B. galan).
Ein Beispiel für diesen Wandel ist der Bereich der Medizin: Nachdem die griechisch-römische Medizin Einfluss gewonnen hatte, verdrängten neue Begriffe alte Bezeichnungen. Ein Erbwort, das noch im Nordischen erhalten ist (schwedisch läkare, eigentlich „Besprecher“), wurde durch das althochdeutsche arzinon ersetzt, das die Bedeutung „durch Medizin heilen“ annahm.
Weitere Beispiele für verdrängte oder ersetzte Begriffe sind:
- Weib (ersetzt durch itis)
- trauern (ersetzt durch monnen)
- Frau (ersetzt durch frô; lebt in Fronleichnam und Frondienst weiter)
- Herr (ersetzt durch senex)