Der zeitgenössische Roman: Kontext und Generation von '98
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Der zeitgenössische Roman
Die Ankunft des 20. Jahrhunderts: Historischer und kultureller Kontext
Zwischen 1890 und 1914 vollzogen sich tiefgreifende soziale und kulturelle Veränderungen in der gesamten westlichen Welt. Diese Ära, geprägt durch die Krise des Jahrhunderts, zeichnete sich durch folgende Merkmale aus:
- Technischer und wissenschaftlicher Fortschritt: Die Erfindung des Automobils, des Kinos und weitere Innovationen.
- Schnelles industrielles und städtisches Wachstum.
- Krise des Positivismus und Rationalismus: Der Mensch begann zu bezweifeln, dass Wissenschaft und Vernunft allein ausreichen, um die Welt zu erklären.
Große wissenschaftliche und moralische Wahrheiten, die bisher als sicher galten, wurden infrage gestellt. Infolgedessen entstanden irrationalistische und vitalistische Theorien, die versuchten, das Leben auf subjektive und individualistische Weise zu erklären.
Die Situation in Spanien
In Spanien sind insbesondere zwei Faktoren hervorzuheben:
- Die Katastrophe von 1898: Der Verlust der letzten Kolonien löste ein Gefühl allgemeiner Unzufriedenheit aus, insbesondere in intellektuellen Kreisen.
- Allgemeine Rückständigkeit des Landes: Viele Schriftsteller und Intellektuelle forderten eine Regeneration. Dies führte zur Regenerationistischen Bewegung, die materielle und moralische Reformen befürwortete, um den Verfall der wirtschaftlichen Struktur und die geistige Armut zu überwinden.
Die Generation von '98
Dieser Begriff bezeichnet eine Gruppe spanischer Schriftsteller, die ihr Werk Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts begannen. Der Name leitet sich von der Katastrophe des Jahres 1898 ab, als Spanien seine letzten Kolonien – Kuba, Puerto Rico und die Philippinen – verlor.
Zu dieser Gruppe gehören unter anderem:
- Miguel de Unamuno
- Antonio Machado
- Ramón del Valle-Inclán
Alle Autoren teilten eine Haltung des Protests gegen die Gesellschaft und den Zustand der Literatur. Zu ihren zentralen Themen zählten die „Frage nach Spanien“ sowie philosophische Fragestellungen.
Der Roman war eines ihrer bevorzugten Genres, das – mit Ausnahme von Antonio Machado – von allen gepflegt wurde. In ihrem Versuch, den realistischen Roman des 19. Jahrhunderts zu überwinden, schufen sie oft Werke, die sich um einen zentralen Protagonisten drehten, der häufig die Ideen und Anliegen des Autors verkörperte.