Bismarcks Außenpolitik: Das Bündnissystem des Deutschen Reiches

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Bismarcks Bündnispolitik nach 1871

Die Ausgangslage: Ein neues Machtzentrum in Europa

Die Gründung des Deutschen Reiches veränderte die Machtverhältnisse in Europa. Aus 39 deutschen Staaten war eine europäische Großmacht in der Mitte des Kontinents geworden. Europa befürchtete neue Kriege, die das Deutsche Reich provozieren könnte. Reichskanzler Otto von Bismarck verfolgte jedoch zwei Hauptziele: die Sicherung des Friedens in Europa und die politische Isolierung Frankreichs. Frankreich wiederum strebte nach Rache an Deutschland, da es nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 Elsass-Lothringen abtreten musste.

Das Dreikaiserabkommen zur Isolierung Frankreichs

Bismarcks Politik der Isolierung Frankreichs führte 1873 zum Dreikaiserabkommen zwischen Russland, Österreich-Ungarn und Deutschland. Ein großer Erfolg für Bismarck war dabei die Herstellung einer Verbindung zu Österreich, da Preußen und Österreich erst 1866 Krieg gegeneinander geführt hatten.

Die Balkankrise und der Berliner Kongress 1878

Die außenpolitische Stabilität wurde jedoch durch die Situation in Südosteuropa gefährdet. Das Osmanische Reich (die Türkei) war Ende des 19. Jahrhunderts ein geschwächter Staat, was Russland und Österreich-Ungarn auszunutzen versuchten. Die Völker auf dem Balkan, die seit dem 15. Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft standen, strebten nach Unabhängigkeit. Russland unterstützte diese Unabhängigkeitsbewegungen, um seinen eigenen Einfluss in der Region zu vergrößern, während Österreich-Ungarn Gebiete des Osmanischen Reiches annektieren wollte.

Diese Spannungen führten 1878 zum Berliner Kongress, der von Bismarck als Vermittler geleitet wurde. Die Ergebnisse waren:

  • In Südosteuropa entstanden vier neue, unabhängige Staaten: Bulgarien, Rumänien, Serbien und Montenegro.
  • Österreich-Ungarn erhielt das Recht zur dauerhaften Besetzung von Bosnien und Herzegowina.

Russland war von den Ergebnissen des Kongresses enttäuscht und löste die Verbindung zu Deutschland auf. Das Bündnis zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland war damit zerstört. Daraufhin verbündete sich Deutschland noch enger mit Österreich-Ungarn im sogenannten Zweibund (1879).

Ein komplexes System wechselnder Bündnisse

Nach einer Beruhigung der Lage wurde das Bündnis der drei Mächte 1881 durch das Dreikaiserbündnis wiederhergestellt. Dieses zerfiel jedoch 1887 erneut aufgrund der anhaltenden Spannungen in Südosteuropa. Um eine Isolation zu vermeiden und den Draht nach Russland nicht zu verlieren, schloss Bismarck 1887 den geheimen Rückversicherungsvertrag direkt mit Russland.

Das Ende der Ära Bismarck 1890

Als Bismarck 1890 entlassen wurde, hinterließ er ein komplexes Bündnissystem: Deutschland hatte ein gutes Verhältnis zu Österreich-Ungarn und gleichzeitig ein separates, gutes Verhältnis zu Russland, obwohl zwischen Wien und St. Petersburg keine direkte Verbindung mehr bestand. Zusätzlich hatte Deutschland ein Bündnis mit Italien geschlossen (den Dreibund) und das Mittelmeerabkommen zwischen Großbritannien, Italien und Österreich-Ungarn gefördert, um den Status quo zu sichern.