Europa: Entdeckungen und die Renaissance
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Mitte des 15. Jahrhunderts begann ein Wandel im historischen Prozess, der den Beginn der Moderne markierte und sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert festigte.
1. Die Entstehung der europäischen Staaten
Im 15. Jahrhundert kam es zu einer demografischen und wirtschaftlichen Expansion. Die Monarchie etablierte sich als höchste Kraft in verschiedenen europäischen Gebieten, was durch folgende Ursachen bestimmt wurde:
- Die schrittweise Wiederbelebung des Westens: Ab dem späten Mittelalter nahmen die Zahl und die Bevölkerung der Städte in Europa zu. Die Bewohner dieser Städte waren keine feudalen Untertanen, sondern standen unter dem Schutz und der Kontrolle der Monarchie, zu der sie durch Steuern und Gerichtsbarkeit beitrugen.
- Die Wiedergeburt des römischen Rechts: Universitäten wie Bologna und Salamanca retteten ab dem 13. Jahrhundert das römische Recht als primäre Rechtsquelle und mit ihm das Prinzip eines einzigen Gesetzgebers: der Monarchie.
- Die Kontrolle des Adels: Die Herrschaft über den Adel wurde durch Könige entweder gewaltsam durch Schlachten oder friedlich durch Vereinbarungen und Allianzen durchgesetzt.
Ressourcen der autoritären Monarchien
Diese Monarchien setzten ihre Macht durch verschiedene Mittel um:
- Vereinigung des Territoriums: Durch Eroberungen oder Heiratsallianzen wurden Staaten gestärkt. Die Dynamik weitete sich bis nach Afrika aus, um den internationalen Handel zu sichern.
- Schaffung eines stehenden Heeres: Im Gegensatz zu den Adelsheeren des Mittelalters bildeten Könige im 15. Jahrhundert eigene Armeen. Dies war kostspielig, sicherte aber die militärische Unabhängigkeit.
- Zentrale Verwaltung: Ein System aus königlichen Beamten, Beratern und Richtern vertrat den König in allen Staatsbereichen.
- Heiratspolitik: Strategische „Kreuz-Ehen“ zwischen Königshäusern dienten dem Ziel, Territorien zu erben und Einfluss zu vergrößern.
- Höhere Gerichte: Die Monarchie wurde zur einzigen Quelle der Gesetzgebung und zur obersten Instanz bei Rechtsstreitigkeiten.
- Steuerwesen: Neue direkte und indirekte Steuern wurden eingeführt. Adel und Klerus blieben oft befreit, da sie für den Schutz und das Seelenheil zuständig waren.
- Diplomatie: Botschafter dienten als Vermittler, um die Interessen der Fürsten im Ausland friedlich zu schützen.
Beispiele: Ludwig XII. und Franz I. (Frankreich), Heinrich VII. und VIII. (England) sowie die Katholischen Könige (Spanien).
Beispiel der Katholischen Könige: Territoriale Einheit (Kastilien, Aragon, Granada, Navarra), religiöse Einheit (Vertreibung der Juden und Muslime) und externe Expansion (Nordafrika, Süditalien).
2. Entdeckung und Eroberung Amerikas
Nach der Eroberung von Byzanz durch die Osmanen (1453) suchte Europa nach neuen Routen für den Gewürzhandel im Osten.
- Christoph Kolumbus: Er plante, China und Japan über den Atlantik zu erreichen. Finanziert wurde dies durch die Kapitulation von Santa Fe.
- Technik: Kompass, Astrolabium und die Karavelle ermöglichten neue Entdeckungen.
- 12. Oktober 1492: Erreichen von Guanahani (San Salvador).
Weitere Expeditionen: Vasco Núñez de Balboa (Pazifik, 1513), Magellan und Elcano (Weltumsegelung, 1519–1522) sowie Francisco de Orellana (Amazonas, 1542).
Die Eroberung und Zivilisation
Im Vertrag von Tordesillas (1494) wurde die Welt zwischen Portugal und Kastilien aufgeteilt. In Amerika trafen die Spanier auf drei Hauptzonen:
- Aztekenreich: Erobert durch Hernán Cortés (bis 1521).
- Maya-Gebiete: Auf der Halbinsel Yucatán.
- Inkareich: Erobert durch Francisco Pizarro und Diego de Almagro.
Die Überlegenheit der Spanier resultierte aus technischen Ressourcen (Pferde, Schusswaffen) und internen Konflikten der indigenen Völker.
Verwaltung: Es wurden Vizekönigreiche und „Audiencias“ (Gerichtshöfe) geschaffen. In Spanien kontrollierten die Casa de Contratación und der Indienrat den Handel und die Justiz.
Die Debatte um die Indios: Es gab zwei Strömungen: Juan Ginés de Sepúlveda (Befürworter der Unterwerfung) und Fray Bartolomé de las Casas (Verteidiger der Menschenrechte). Dies führte zu den Gesetzen von Burgos zum Schutz der Indigenen.
3. Die Kunst der Renaissance in Italien
Die Renaissance unterteilt sich in das Quattrocento (15. Jh., Florenz) und das Cinquecento (16. Jh., Rom). Merkmale sind die Rückkehr zu antiken Modellen, der Humanismus (der Mensch im Zentrum) und die Autonomie des Künstlers.
Die großen Meister
- Leonardo da Vinci: Universalgenie (Ingenieur, Maler). Bekannt für die Perspektive, den Sfumato und Werke wie die „Mona Lisa“ und das „Abendmahl“.
- Raffael: Bekannt für Ausgewogenheit und Idealisierung. Werke: „Die Schule von Athen“, „Sixtinische Madonna“ und Porträts von Päpsten.
- Michelangelo: Bildhauer, Maler und Architekt. Bekannt für die Terribilità (innere Stärke) und anatomische Perfektion. Werke: „David“, die Fresken der Sixtinischen Kapelle und der Petersdom.
Die Renaissance-Kunst in Spanien
In Spanien mischte sich die Renaissance zunächst mit der Gotik. Man unterscheidet drei Phasen:
- Plateresker Stil: Reich verzierte Fassaden (z. B. Universität Salamanca).
- Purismus: Klassische Elemente (z. B. Palast Karls V. in Granada).
- Herrera-Stil: Benannt nach Juan de Herrera, Schöpfer des El Escorial, ein Symbol für die Herrschaft Philipps II.
Bildhauerei: Alonso Berruguete zeichnete sich durch große Ausdruckskraft und verlängerte Figuren aus.
Malerei (El Greco): Geboren auf Kreta, beeinflusst von Venedig und Rom, ließ er sich in Toledo nieder. Sein Stil ist geprägt durch formale Dehnung und Manierismus. Werke: „Das Begräbnis des Grafen Orgaz“, „Der Ritter mit der Hand auf der Brust“.