Merkmale und Geschichte des Ritterromans

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  • Idealisierung der ritterlichen Liebe (Minne): Frauendienst, Götzendienst und oft masochistische Züge in der Liebe außerhalb der Ehe (auch mit unehelichen Kindern), die jedoch meist in einer Heirat mündet.
  • Verherrlichung von Gewalt: Der persönliche Wert wird durch Waffentaten gewonnen. Der Kampf um individuellen Ruhm bedeutet eine höhere Moral. Dazu gehören Turniere, Prüfungen, Duelle sowie Kämpfe gegen Monster und Riesen (Pracht). Als Kontrapunkt dient die liebevolle Hingabe.
  • Außerordentliche Geburt des Helden: Oft der uneheliche Sohn unbekannter, edler Eltern (häufig Könige). Er ist zum Ruhm bestimmt, trägt oft ein magisches Schwert oder besitzt übermenschliche Kräfte und genießt die Hilfe eines Zauberers oder weisen Freundes.
  • Christliches Ideal eines Heiligen Krieges: Kreuzzüge zur Verteidigung Konstantinopels (das 1453 tatsächlich verloren ging) und die nostalgische Erinnerung an die Reconquista (abgeschlossen 1492).
  • Völlig fantastische Geografie: Reisen in ferne Länder, Begegnungen mit Monstern wie dem Endriago, Riesen und seltsamen Ritualen heidnischer Völker. Es gibt Boote, die weite Strecken in einer Stunde segeln können, magische Paläste, verzauberte Seen und geheimnisvolle Wälder.
  • Fernliegende historische und mythische Zeiten: Es fehlen historische Bezüge zu den damaligen tatsächlichen gesellschaftlichen Bedingungen.
  • Thema der fiktiven Übersetzung: Bücher werden oft als Übersetzungen aus dem Griechischen, Deutschen, Englischen, Toskanischen oder Arabischen präsentiert oder als „gefundenes Manuskript“, das nach langer Zeit der Verborgenheit wiederentdeckt wurde.


Die Entstehung des Ritterromans

Der Ritterroman in Europa entstand im 11. Jahrhundert. Die Grundwerte des Ritters sind die Verehrung der Frau, der Glaube an ein höchstes Wesen, Geister, Magie, Beschwörungen und Vorhersagen. Vor allem aber zählt der Kampfgeist von edler Gesinnung, dessen Ziel es ist, den Mutigen zu verherrlichen.

Dies führte zur Gründung von Ritterorden, die geschaffen wurden, um den Staat, die Religion, die Schwachen und die Frauen zu verteidigen.

Die ritterliche Dichtung leitet sich von den französischen Epen (Chansons de geste) und Legenden ab. Seine Helden, ob historisch oder legendär, verkörpern unter anderem Werte wie Loyalität, Ehre und Liebe.

Diese Literatur verbreitete sich in Frankreich, Deutschland, den skandinavischen Ländern, Italien und später in Spanien (15. und 16. Jahrhundert).

Hauptmerkmale

Die wesentlichen Merkmale sind:

  • Fiktion ersten Ranges: Fakten sind wichtiger als die Figuren, die dazu neigen, archetypisch und flach zu sein. Sie werden in die Handlung gesetzt, ohne sich psychologisch zu verändern oder zu transformieren.
  • Offene Struktur: Endlose Abenteuer und Fortsetzungen sind möglich. Es besteht ein Hang zur Übertreibung und Verstärkung (jede Generation muss die Taten und den Ruhm des Vaters übertreffen). Helden sterben selten; es gibt immer einen Weg für neue Ausgaben. Es herrscht ein Mangel an geografischer Logik und Wahrscheinlichkeit in den langwierigen, verflochtenen Abenteuern.
  • Suche nach Ehre, Mut und Abenteuer durch Prüfungen: Die Struktur ist episodisch. Der Held durchläuft verschiedene Prüfungen (zum Beispiel den „Bogen der treuen Liebenden“ im Amadís de Gaula), um seine Frau zu verdienen, einen Palast zu entzaubern oder die Ehre des besten Ritters seiner Zeit zu erlangen. Ruhm und Liebe sind fast immer die Hauptmotive des Ritters.