Nietzsches Kritik der Metaphysik und der Existentialismus

Philosophie und EthikAktualisiert am 4,26 KB

Zusammenfassung

Der Text erläutert Nietzsches Kritik an der Metaphysik, die einen Dualismus zwischen einer wahren und einer scheinbaren Welt eingeführt habe, sowie an begrifflicher Erkenntnis, Moral und dem christlichen Weltbezug. Er stellt den Übermenschen, den Tod Gottes, den Willen zur Macht und die Entwicklung zum Existentialismus dar. Abschließend wird Heideggers Kritik der Metaphysik der Präsenz behandelt.

Kernpunkte

  • Die Metaphysik führt einen ontologischen Dualismus zwischen der realen Welt (Verstand) und der scheinbaren Welt (Sinne) ein.
  • Nietzsche sieht in Metaphysik und Ontologie den Tod, eine schlechte Meinung vom Leben und Schrecken vor dem Werden.
  • Begriffe sind Abstraktionen ohne spezifische Inhalte; sie erfassen das Werden und den Wandel nicht.
  • Nietzsche versteht Moral als Widernatur, die im Gegensatz zum Leben steht.
  • Das Leben durchläuft drei Metamorphosen: Kamel (Gehorsam), Löwe (Negation aller Werte), Kind (absolute Freiheit).
  • Der Wille zur Macht ist eine dynamische Ontologie, die der statischen Ontologie entgegensteht.
  • Der Existentialismus radikalisiert Nietzsches Philosophie: Die menschliche Existenz ist frei und offen für Möglichkeiten.

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Kritik der Metaphysik

Die Metaphysik hat einen ontologischen Dualismus eingeführt, durch die Unterscheidung zwischen der realen Welt (erfasst durch den Verstand) und der scheinbaren Welt (Wahrnehmung durch die wechselnden Sinne).

Konsequenzen der Metaphysik

  • a) Eine statische Ontologie.
  • b) Die Tatsache, dass das Reale nicht so gesehen wird, wie es wirklich ist.
  • c) Das Wesen hat seine eigene Welt.

Da wir wissen, dass diese Welt unwirklich ist, suchen wir in der anderen Welt nach der Wahrheit. Nach Nietzsche ist die Metaphysik und Ontologie der Tod, eine schlechte Meinung vom Leben und der Schrecken vor dem Werden. Die Ontologie impliziert eine Verachtung für das Leben.

Nietzsches Kritik am christlichen Bezug zur Ontologie

  1. Die Wirklichkeit ist künstlich konstruiert und absolut unbeweisbar.
  2. Philosophen sind davon überzeugt, dass die Zukunft ein Irrtum unserer Sinne ist, und bauen ihre „reale Welt“ sicher vor dem Werden. Das Endergebnis ist die Negation des Seins und die Bejahung des Nichts.
  3. Wer glaubt, eine andere Welt sei besser, empfindet Schmerz für das Leben.
  4. Der Mangel an Stärke führt dazu, eine andere Welt zu erfinden. Das Endergebnis ist, dass der Mensch beiseite gestellt wird, um einem Gott zu unterliegen.

Kritik der begrifflichen Erkenntnis

Nietzsches Kritik der Metaphysik ist komplett mit der Kritik an konzeptionellen Begriffen verbunden:

  • Platonismus: Konzepte wurden geschaffen, um sich auf etwas zu beziehen, das im Laufe der Zeit zu Substanzen wurde.
  • Abstraktion: Die Genese der Konzepte erfordert einen Prozess der Abstraktion, um eine universelle Darstellung zu erreichen. Eigentlich sind es nur Abstraktionen ohne spezifische Inhalte.
  • Ästhetisches Verhalten: Wenn Begriffe nicht die wahre Wirklichkeit des Seins (Werden und Wandel) erfassen, bleibt uns nur ein ästhetisches Verhalten.
  • Sprache: Es gibt eine enge Beziehung zwischen Sprache, Metaphysik und konzeptionellem Wissen. Um die Versteinerung zu vermeiden, unter der der Philosoph leidet, erhebt der Mensch seine metaphorische Phantasie.

Kritik der Moral

Nietzsche versteht Moral als „Contranaturaleza“ (Widernatur), die im Gegensatz zum Leben steht. Seine Idee basiert darauf, dass die Instinkte, die das Christentum unterdrücken will, als Ausdruck des Lebens genutzt werden sollten. Die Welt der Ideen wurde zum Himmelreich, weil der authentische Mensch nicht in diesem Leben, sondern in einem anderen verortet wird.

Tod Gottes, Nihilismus und der Übermensch

Der Übermensch überwindet das nihilistische Gefühl, ohne ein Jenseits zu benötigen. Dies geschieht durch einen Akt des Willens. Der Übermensch ist ein Held der Zukunft, ein Philosoph, der die Wahrheit vom Tod Gottes versteht. Das Leben durchläuft eine dreifache Metamorphose:

  1. Kamel: Symbolisiert Gehorsam.
  2. Löwe: Negation aller Werte.
  3. Kind: Absolute Freiheit.

Der Wille zur Macht

Nietzsches Metaphysik ist bekannt als der Wille zur Macht: eine dynamische Ontologie, die die statische Ontologie bekämpft. Da alles im Werden ist, kann die Wahrheit nicht stabil sein, sondern ist eine Erscheinung, die durch Gebräuche verhängt wurde.

Vom Vitalismus zum Existentialismus

Der Existentialismus ist eine Radikalisierung der Philosophie Nietzsches. Die menschliche Existenz ist frei und strebt nach absoluter Freiheit.

Merkmale

  • Die Existenz ist ein offenes Feld, in dem der Mensch für die Dinge offen ist.
  • Die Wahl der Möglichkeiten liegt in der Freiheit des Menschen.
  • Gott ist tot; der wahre Humanismus lässt den Menschen in absoluter Freiheit zurück.

Heideggers Kritik der Metaphysik der Präsenz

Nietzsches Kritik an der statischen Metaphysik und dem konzeptionellen Wissen wurde von Heidegger weitergedacht. Heidegger kritisiert die „Metaphysik der Präsenz“, die zeigt, wie in der Metaphysik das Sein als „anwesend“ gesetzt wurde, was zu einer wachsenden Vergesslichkeit des Seins führte.

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Häufige Fragen

Was kritisiert Nietzsche an der Metaphysik?

Nietzsche kritisiert den ontologischen Dualismus zwischen einer realen und einer scheinbaren Welt. Er sieht in der Metaphysik eine Verachtung für das Leben und eine Furcht vor dem Werden.

Was sind die drei Metamorphosen des Lebens bei Nietzsche?

Das Leben durchläuft die Stufen Kamel, Löwe und Kind. Das Kamel symbolisiert Gehorsam, der Löwe die Negation aller Werte und das Kind die absolute Freiheit.

Was ist der Wille zur Macht?

Der Wille zur Macht ist Nietzsches dynamische Ontologie, die der statischen Ontologie der Metaphysik entgegensteht. Da alles im Werden ist, kann die Wahrheit nicht stabil sein.

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Test

1. Welchen Dualismus führt die Metaphysik nach dem Text ein?
2. Wie beschreibt der Text Nietzsches Verständnis von Moral?
3. Welche Stufe steht für absolute Freiheit?
4. Was ist nach dem Text die Folge begrifflicher Abstraktion?
5. Wen kritisiert Heidegger laut Text?

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