Die Reconquista: Historiographie und historische Tradition

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Der Begriff "Reconquista": Historiographie und Tradition

Evolution der Rückeroberung zwischen 790 und 1300

Nach Meinung einiger Gelehrter[1] ist der Begriff historisch umstritten. Die christlichen Königreiche, die das Festland "zurückeroberten", entstanden erst nach der islamischen Invasion, trotz der Versuche einiger dieser Monarchien, sich als direkte Nachfahren des Westgotenreichs zu präsentieren. Es handelte sich eher um den Wunsch nach politischer Legitimität: Die Reiche sahen sich als wahre Erben der Westgoten, um ihre Eroberungen zu rechtfertigen.

Der Begriff erscheint zudem verwirrend, da sich die christlichen Königreiche nach dem Zusammenbruch des Kalifats (frühes 11. Jahrhundert) eher für eine Steuerpolitik gegenüber den Taifas entschieden, anstatt nach Süden zu expandieren. Konflikte zwischen den verschiedenen Kronen und dynastische Kämpfe verhinderten oft ein geschlossenes Vorgehen gegen die Muslime.

Beginn und Dauer der Reconquista

Angesichts der frühen Reaktion der kantabrischen Küste gegen den Islam (man erinnere sich an Don Pelayo, der die Sarazenen in Covadonga nur sieben Jahre nach deren Ankunft über die Straße von Gibraltar zurückschlug) und der Abwehr auf französischem Gebiet nach der Schlacht von Poitiers im Jahr 732, lässt sich die Idee stützen, dass die Rückeroberung fast unmittelbar nach der arabischen Eroberung begann. Zudem wird argumentiert, dass "ein Großteil der kantabrischen Küste nie erobert wurde". Dies rechtfertigt die These, dass die arabische Eroberung und die christliche Rückeroberung zeitlich überlappen, insbesondere wenn man die Schlacht von Guadalete (711) als Beginn der muslimischen Invasion betrachtet.

Die Rolle der Goten im Goldenen Zeitalter

Im Goldenen Zeitalter definierten Dichter die Spanier als "Goten" (wie Lope de Vega schrieb: "... Blut der Goten"). Auch während der Unabhängigkeitskriege in Amerika war dieser Bezug bei den Patrioten bekannt. Kritiker bemängeln, dass der Begriff "Reconquista" eine rein christliche und europäische Sichtweise auf das komplexe andalusische Erbe darstellt, wenngleich auf christlicher Seite ein klares Bewusstsein für diesen Prozess bestand.

Alternative Ansätze

Andere Historiker, wie Ignacio Olague Videla in Die islamische Revolution im Westen (1974), vertreten die Ansicht, dass die militärische Invasion anders zu bewerten ist.