Frühgeschichte und das römische Hispanien
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Kolonisation der Iberischen Halbinsel
Indoeuropäische Einwanderer
Im 11. Jahrhundert v. Chr. wanderten indoeuropäische Völker aus Mitteleuropa über die Pyrenäen ein, um sich auf der Halbinsel niederzulassen. Sie sprachen indoeuropäische Sprachen und siedelten sich vor allem in Katalonien und auf der Meseta an. Sie beherrschten bereits die Eisenverarbeitung. Ihre Wirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht. Typisch war ihre Bestattungsform der Brandbestattung: Die Asche der Leichen wurde zusammen mit Grabbeigaben in Tonurnen auf sogenannten Urnenfeldern (Töpferfeldern) beigesetzt.
Die Phönizier
Die Phönizier stammten aus dem östlichen Mittelmeerraum und ließen sich im Süden der Halbinsel nieder, der reich an Kupfer, Silber und Gold war und an der Zinnroute lag. Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. gründeten sie dort erste Handelsniederlassungen und Kolonien; herausragend war vor allem Gadir (Cádiz). Sie brachten die Schrift, neue Keramiktechniken und urbane Siedlungsstrukturen mit.
Die Griechen
Im 8. Jahrhundert v. Chr. landeten die Griechen auf der Iberischen Halbinsel. Sie gründeten Emporion sowie weitere koloniale Enklaven wie Mainake. Durch rege Handels- und Kulturkontakte mit den indigenen Nachbarvölkern führten sie die Münzprägung, den Pflug sowie neue Tier- und Anbauarten ein.
Die Karthager
Die Karthager setzten das Kolonisationswerk der Phönizier fort und gründeten wichtige Kolonien und Stützpunkte, darunter Ebusus (Ibiza), Villaricos und Carthago Nova (Cartagena).
Das Reich von Tartessos
Das Reich von Tartessos lag im Gebiet der heutigen Provinzen Huelva, Sevilla und Cádiz. Sein Reichtum basierte auf:
- Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei,
- dem Abbau von Kupfer in eigenen Minen,
- der Kontrolle der atlantischen Zinnroute.
Tartessos ging schließlich durch die Vorherrschaft der Karthager unter. Als historische Nachfolger der Tartesser gelten die Turdetaner.
Die Neolithische Revolution
Wirtschaftliche und materielle Neuerungen
Die Neolithische Revolution brachte grundlegende Neuerungen mit sich:
- Einführung von Ackerbau und Viehzucht,
- Entwicklung von Keramik und Textilherstellung,
- Übergang zum Sedentismus (Sesshaftigkeit) und Entstehung erster proto-urbaner Siedlungen,
- Entwicklung der Steinindustrie durch den Einsatz polierter Steine.
Kommunikation, Mobilität und Handel
Die Weiterentwicklung von Sprache und Kommunikationsmitteln ermöglichte neue Wege des Austauschs. Zu den wichtigsten Transport- und Fortbewegungsmitteln gehörten das Rad, Karren sowie die Schifffahrt mit Rudern und Segeln. Das Erwirtschaften von Produktionsüberschüssen führte in der Folge zu geregeltem Tausch- und Fernhandel.
Gesellschaft, Religion und Demografie
Es bildete sich eine soziale Differenzierung und Hierarchisierung heraus, bestimmt durch Waffenbesitz, religiöse Funktionen und Reichtum. Zugleich entstand eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung (z. B. Jagd, Wanderung und Gefahrenabwehr durch Männer; Ackerbau, Handwerk und Fürsorge durch Frauen). Religiöse Vorstellungen erreichten ein höheres Niveau der Abstraktion. Ein deutlicher demografischer Anstieg war zu verzeichnen: Mehr Individuen überlebten und erreichten ein höheres Lebensalter.
Das römische Hispanien
Römische Provinzialverwaltung
Die römische Verwaltung gliederte sich in verschiedene Magistrate und Ämter:
- Prätor (Militär- und Rechtsgewalt),
- Quästor (Finanzverwaltung),
- Zensor (Bürgerlisten und Sittenaufsicht),
- Ädilen (öffentliche Ordnung und Märkte),
- Tribunus plebis (Volkstribun zum Schutz der Plebejer),
- Decemviri (Zehnmännerkollegien für Sonderaufgaben).
Kaiserzeitliche Gesellschaft
Die Gesellschaft zur Kaiserzeit war strikt hierarchisch gegliedert:
- Princeps (Kaiser),
- Ordines (Senatoren- und Ritterstand),
- Populus / Plebs (freies römisches Volk),
- Peregrini (freie Provinzialbewohner ohne römisches Bürgerrecht),
- Liberti (Freigelassene),
- Servi / Esclavos (Sklaven).
Klassifikation der Städte
Im römischen Hispanien bestanden verschiedene Stadtrechtsformen:
- Römische Kolonien (Coloniae),
- Munizipien (Municipia),
- Freie Städte (Civitates liberae),
- Föderierte Städte (Civitates foederatae),
- Tributpflichtige Städte (Civitates stipendiariae).
Römisches Recht (Ius)
Wesentliche Bestandteile des römischen Bürgerrechts waren:
- Ius connubii: Recht zur Eingehung einer rechtsgültigen römischen Ehe,
- Ius commercii: Recht zum rechtswirksamen Handel und Eigentumserwerb,
- Ius provocationis: Berufungsrecht an das Volk gegen hoheitliche Willkürakte,
- Ius suffragii: Aktives Stimmrecht in den Volksversammlungen,
- Ius honorum: Passives Wahlrecht für politische und militärische Ämter.